In Beirut haben Polizisten das Umweltministerium gestürmt. Zuvor hatten Demonstranten das Gebäude besetzt, um gegen die Müllkrise im Land zu protestieren. Nachdem im Juli eine überquellende Deponie geschlossen wurde, türmt sich der Abfall in den Straßen. Seit Wochen demonstrieren Tausende dagegen.

Die Aktivisten nennen ihre Bewegung "Ihr stinkt. Gegen Mittag drangen einige von ihnen in das Umweltministerium ein und besetzten es. Sie fordern den Rücktritt von Umweltminister Mohammed Maschnuk und haben ihm ein Ultimatum bis Dienstagabend gestellt. Nach etwa sechs Stunden räumte die libanesische Polizei das Gebäude und vertrieb die Demonstranten. Dabei sollen die Einsatzkräfte gewalttätig geworden sein, berichten die Aktivisten auf ihrer Facebook-Seite.

Die Wut der Libanesen richtet sich gegen die gesamte politische Führung. Sie protestieren gegen Korruption und Misswirtschaft der Verwaltung. Zudem kritisieren sie die politische Blockade, die seit einem Jahr die Präsidenten-Wahl verhindert. Zur Lähmung der Politik trägt auch der Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien bei. Mehr als 1,5 Million Syrer sind seit Ausbruch des Krieges in den Libanon geflüchtet. Sie machen inzwischen ein Viertel der Bevölkerung aus und gelten als billige Arbeitskräfte. Die Infrastruktur ist überlastet. Immer wieder kommt es zu Spannungen. Viele Libanesen fürchten, dass mit den syrischen Nachbarn der Terror des "Islamischen Staats" ins Land kommt.