In einem umstrittenen Prozess hat die Justiz der autoritären Südkaukasusrepublik Aserbaidschan die investigative Journalistin Chadidscha Ismailowa zu sieben Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Ein Gericht in der Hauptstadt Baku befand die regierungskritische Reporterin vom US-finanzierten Sender Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) mehrerer Finanzvergehen für schuldig, wie etwa Steuerhinterziehung und Unterschlagung. 

Die Anklage hatte neun Jahre Gefängnis gefordert. Die Verteidigung will das Urteil anfechten, wie örtliche Medien berichteten. Ismailowa hatte alle Vorwürfe zurückgewiesen und sieht sich politisch verfolgt. Die Anklage habe auf "mehr und mehr Lügen" zurückgegriffen, sagte Ismailowa in einer abschließenden Stellungnahme. "Sie werden mich nicht zum Schweigen bringen, selbst wenn sie mich zu 15 oder 25 Jahren verurteilen." Unter anderem hatte die Journalistin die von Präsident Ilham Alijew und seiner Familie angehäuften Reichtümer angeprangert.

Die 39-jährige Journalistin war 2012 mit einem Förderpreis der Hamburger ZEIT-Stiftung geehrt worden für die Aufdeckung von Korruption, Machtmissbrauch und Menschenrechtsverletzungen in Aserbaidschan.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen bezeichnete das Urteil als willkürlich sowie als Einschüchterungsversuch für Journalisten in der Ex-Sowjetrepublik. Der Europarat kritisierte eine auffällige Zunahme von Prozessen gegen Menschenrechtler und Journalisten in dem Land.

Zuletzt waren die 59-jährige Bürgerrechtlerin Leyla Yunus und ihr 60-jähriger Mann Arif in dem Land am Kaspischen Meer trotz scharfer Kritik des Westens zu langen Haftstrafen verurteilt worden.