Im Rahmen des EU-Sondergipfels zur Flüchtlingskrise gestern in Brüssel machte Bundeskanzlerin Angela Merkel Vorschläge, um im Syrien-Konflikt zu einer Lösung zu kommen. Gespräche mit Staatschef Baschar al-Assad seien dazu nötig. "Es muss mit vielen Akteuren gesprochen werden, dazu gehört auch Assad", sagte Merkel. Genauso sei es wichtig auch andere Länder der Region in die Gespräche einzubeziehen, wie Iran oder Saudi-Arabien. Bisher hatte der Westen – insbesondere die USA – eine Zusammenarbeit mit Assad ausgeschlossen.

Russland hatte zuvor zu einer breiten Koalition im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) aufgerufen und angedeutet, dass eine Unterstützung von Assads Militär der beste Weg sei, um dies zu tun. Russland bereitet derzeit nach Berichten der Nachrichtenagentur Bloomberg Luftschläge gegen die Terrormiliz IS in Syrien vor. Präsident Wladimir Putin bevorzuge eine militärische Abstimmung mit den USA, dem Iran und der syrischen Armee. Die russische Armee werde die Extremisten aber auch im Alleingang angreifen, sollten die USA seine Pläne nicht unterstützen, so Putin.

Russland hatte in den vergangenen Tagen seine Militärpräsenz in Syrien verstärkt. Kampfjets sollen schon in der Region stationiert sein, Bodentruppen könnten folgen. Die USA fürchten, dass ein Militärschlag durch Russland die Lage eskalieren lassen könnte und dass so noch mehr Menschen zur Flucht gezwungen werden.

Pentagon-Chef Ashton Carter und sein russischer Amtskollege Sergej Schoigu haben bereits über die jüngste Aufrüstung Moskaus in Syrien gesprochen. Die USA waren sich bislang unsicher, wie sie auf die zunehmende militärische Hilfe Russlands für Assad reagieren sollten.

Nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen John Kerry sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am Sonntag: "Die Lage in Syrien ist Pflicht zum Handeln, und das für uns alle". Beide Politiker seien der Auffassung, dass der Bürgerkrieg sich nur beenden lasse, wenn alle beteiligten Staaten ihre "allzu engen nationalen Interessen zurückstellen". Steinmeier begrüßte, dass Kerry in den vergangenen Tagen das Gespräch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow aufgenommen habe.

Seit Jahren fliehen Millionen Menschen vor Syriens Bürgerkrieg. Viele bleiben in den Nachbarländern. Da der Krieg in ihrer Heimat andauert und die Flüchtlingslager überfüllt sind, wandern jedoch auch immer mehr Menschen Richtung Europa.