Am Vorabend der Papstreise haben US-Präsident Barack Obama und Kubas Staatschef Raúl Castro in einem ihrer seltenen Telefonate eine weitere Annäherung beschlossen. Castro habe in dem Telefonat die vollständige Aufhebung des seit fast 55 Jahren bestehenden US-Handelsembargos gegen den sozialistischen Karibikstaat gefordert, teilte das kubanische Außenministerium in Havanna mit. Nach Angaben des Weißen Hauses lobten beide die Vermittlungsrolle des Papstes bei der Überwindung der seit der kubanischen Revolution bestehenden diplomatischen Eiszeit. Seit Juli haben beide Staaten wieder Botschafter im anderen Land.

Es war das erste direkte Gespräch der beiden Staatschefs seit der historischen Begegnung beim Amerika-Gipfel in Panama im April. Als dritter Papst reist Franziskus zu einem Besuch nach Kuba, bevor er am Dienstag in die USA weiterreist. Beobachter werten es als politisches Signal, dass Franziskus Kuba und die USA in einer Reise besucht. Das Oberhaupt der katholischen Kirche hatte bei der Annäherung zwischen den bisherigen Erzfeinden eine wichtige Vermittlerrolle übernommen. Das Weiße Haus gab kurz vor der Reise eine Aufweichung von Sanktionen gegen Kuba bekannt.

So werden für US-Unternehmen Geschäfte mit dem kommunistisch regierten Staat leichter, vor allem für Internet- und Telekommunikationsanbieter sowie für Investoren und Banken. Außerdem wird der Transfer von deutlich mehr Touristen und Handelsgütern mit Fähren zwischen beiden Ländern erlaubt.

In Kuba ist auch ein Treffen des Papstes mit Staatschef Raúl Castro geplant. Wahrscheinlich wird Franziskus außerdem den Anführer der Revolution, den 89-jährigen Fidel Castro, in Havanna treffen.

Ein Treffen mit der Opposition stehe bisher aber nicht auf der Agenda, sagte der führende Oppositionsaktivist Antonio Rodiles. "Das finde ich bedauerlich", sagte er. Die Opposition hat nur wenig Hoffnung auf ein Ende von Repressionen gegen sie. Beim anschließenden Besuch in Washington werde sich der Papst sicher für die Aufhebung des US-Embargos gegen Kuba einsetzen. "Aber die politischen Häftlinge in Kuba bleiben in Haft", sagte Rodiles.

Rodiles warnte vor einem Kuschelkurs mit dem Castro-Regime. Der kubanische Kardinal Jaime Ortega habe zwar gesagt, dass es nicht die Aufgabe der Kirche sei, Regierungen zu stürzen. "Sie ist aber auch nicht dafür da, um Diktaturen zu stützen", warnte er. José Daniel Ferrer, Anführer der wichtigsten Oppositionsbewegung im Osten des Landes, sagte: "Es gibt Einsätze der Staatssicherheit in den Bezirken, wo viele Aktivisten wohnen." Er fürchtet, dass Aktivisten in Gewahrsam genommen werden, um Proteste während des Besuches zu unterbinden.

Der Geschäftsführer des bischöflichen Hilfswerks Misereor, Martin Bröckelmann-Simon, sagte: "Die kubanischen Bischöfe sehen sehr wohl, dass es nach wie vor undemokratische Verhältnisse gibt." Der Umgang mit der Opposition und willkürliche Verhaftungen würden scharf kritisiert. "Es ist eine elementare Forderung der Kirche, dass die Menschenrechte beachtet werden." Er betonte, Kuba sei allerdings bereits auf einem positiven Weg der Öffnung.

Als erster Papst hatte Johannes Paul II. 1998 Kuba besucht. Sein Aufruf "Möge Kuba sich der Welt öffnen und die Welt sich öffnen für Kuba" leitete einen Entspannungsprozess ein. Nach der Revolution mussten viele Priester das Land verlassen, der Glauben konnte nicht gelebt werden. Die Regierung tritt nun für Religionsfreiheit ein. Rund 80 Gotteshäuser, die nach der Revolution besetzt worden waren, sollen zurückgegeben werden.