Den meisten Syriza-Fans scheint bei diesem Anblick nicht ganz wohl zu sein: Ihr Idol, der Partei-Chef Alexis Tsipras, hat sich gerade für den Wahlsieg feiern lassen als zum Ende der kurzen Rede plötzlich ein zweiter Mann auf das kleine Podest steigt: Panagiotis Kammenos, der Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Unabhängige Griechen (Anel). Der Jubel ebbt ab.

Dennoch umarmen sich Tsipras und Kammenos heftig, halten sich an den Händen, recken gemeinsam die Fäuste in die Luft. Sieben Monate hatten die beiden schon vor der Neuwahl am vergangenen Sonntag zusammen regiert, doch einen solchen Beweis gegenseitiger Zuneigung noch nicht abgeliefert.

Bisher waren die meisten Menschen in Griechenland davon ausgegangen, dass es sich bei Syriza-Anel um ein reines Zweckbündnis handelte, schließlich liegen die beiden Parteien ideologisch am jeweilig gegenüberliegenden Ende des politischen Spektrums. Sie einte nur ihre strikte Ablehnung gegen die Sparpolitik, die Griechenland von seinen internationalen Gläubigern auferlegt worden ist.


Warum nicht mit den Sozialisten

Nun aber sind die Verhandlungen beendet, das dritte Hilfsprogramm beschlossen, es geht um dessen Umsetzung. Wieso konnte Tsipras nicht zu einem Partner umschwenken, der den Linken inhaltlich näher steht? Die sozialistische Pasok wäre wohl zu einer Koalition bereit gewesen, das zumindest hatte die Führung der ehemaligen Regierungspartei angedeutet.

Aber die Vorbehalte gegen das alte Establishment scheinen bei Alexis Tsipras größer zu sein als die gegen die Rechtspopulisten. Die Kampfansage gegen Korruption und Vetternwirtschaft war schließlich auch die zentrale Botschaft seines Wahlprogramms, darüber hinaus blieb ihm wegen des feststehenden Reformprogramms der EU kaum Gestaltungsspielraum.

Trotzdem muss man sich fragen, inwiefern die Unabhängigen Griechen die richtigen Partner für dieses Vorhaben sind. Kammenos war selbst viele Jahre Teil des alten politischen Establishments, war Abgeordneter der konservativen Nea Dimokratia, er saß noch vor Ausbruch der Krise als Vizeminister im Kabinett. Warum er ein besonderes Interesse an einer Reform des Systems haben soll, wird nicht ersichtlich.

Vermutlich soll Kammenos wieder den Posten des Verteidigungsministers übernehmen und damit auch die Verantwortung über das skandalträchtige Rüstungsgeschäft. Ein besonderes Engagement zur Verkleinerung und Modernisierung des kostspieligen Militärapparates ist von dem Nationalkonservativen nicht zu erwarten.