Der britische Premierminister David Cameron reagiert auf die Forderungen, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Künftig sollen Tausende Migranten direkt aus Flüchtlingslagern der Vereinten Nationen an den Grenzen Syriens ausgewählt werden. "Das gibt ihnen einen direkteren und sichereren Weg ins Vereinigte Königreich, statt dass sie die gefahrvolle Reise riskieren, die tragischerweise so viele das Leben gekostet hat." Nächste Woche sollen die Details bekanntgegeben werden. Das UN-Flüchtlingshilfswerk nannte die Zahl 4.000, allerdings wurde sie noch nicht von der Regierung in London bestätigt.

Wie der Guardian schreibt, arbeitet die Regierung intensiv daran, die Finanzierung des Programms sowie die Unterbringung zu organisieren. Auch mit dem neuen Programm werde Großbritannien aber noch deutlich weniger Flüchtlinge aufnehmen als beispielsweise Deutschland, 

Wie es aus der Regierung heißt, sollen keine Flüchtlinge aufgenommen werden, die bereits in Europa sind. So wolle man verhindern, indirekt Schleuserbanden zu unterstützen. Außerdem sollten keine Menschen motiviert werden, die Reise nach Europa anzutreten. 

Britische und französische Polizisten haben in den vergangenen Wochen versucht, Flüchtlinge an der Durchquerung des Eurotunnels zu hindern. Vor dem Tunnel hat sich ein Lager mit Tausenden Migranten gebildet.

Nicht nur die EU-Partner forderten zuletzt von Cameron, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Der Premierminister ist auch innenpolitisch unter Druck geraten. In einer Online-Petition verlangten mehr als 340.000 Briten, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Petitionen, die mehr als 100.000 Unterstützer finden, werden für eine Parlamentsdebatte in Betracht gezogen.

Zudem kritisierten unter anderem christliche Organisationen die rigide Aufnahmepraxis der Regierung. Die Bilder des toten Flüchtlingsjungen verstärkten den Druck.

Der Premierminister hatte sich über die Aufnahmen bestürzt geäußert. "Jeder, der letzte Nacht diese Bilder gesehen hat, konnte gar nicht anders, als bewegt zu sein", sagte Cameron. "Als ein Vater habe ich mich tief bewegt gefühlt vom Anblick dieses kleinen Jungen an einem Strand in der Türkei."