Türkische Bodentruppen sind während eines Einsatzes gegen die Kurdische Arbeiterpartei PKK in den Nordirak eingedrungen. Die Soldaten hätten im Rahmen einer Verfolgungsjagd auf Angehörige der PKK die Grenze überquert, sagte ein Sprecher der türkischen Regierung. Die verfolgten Kämpfer waren demnach am Sonntag an der Attacke auf Soldaten mit 16 Toten beteiligt. Es handele sich dabei um eine befristete Maßnahme, mit der die Flucht der Verdächtigen verhindert werden solle, hieß es.

Es ist das erste Mal seit 2011, dass türkische Bodentruppen den Irak betreten. Die Soldaten seien vom Zāgros-Gebirge aus in die irakische Provinz Dahuk eingedrungen, sagte ein Sprecher der PKK. Es habe dort aber zunächst keine Gefechte gegeben. Die Arbeiterpartei unterhält im kurdischen Norden des Irak mehrere Stellungen. 

Seit vergangenem Sonntag war die Gewalt zwischen PKK und türkischen Sicherheitskräften erneut eskaliert. Die PKK tötete bei einem Bombenanschlag auf einen Militärkonvoi im südtürkischen Dağlıca in der Nähe der irakischen Grenze nach Militärangaben 16 Soldaten und verletzte sechs weitere. Es war der mit Abstand folgenschwerste PKK-Angriff seit Mai 1993, als 33 unbewaffnete Soldaten getötet worden waren. Regierungschef Ahmet Davutoğlu hatte daraufhin am Montag angekündigt, die PKK werde nun "ausgelöscht". Die türkische Luftwaffe griff anschließend zahlreiche PKK-Stellungen im Nordirak an. Laut Regierung töteten die Streitkräfte dabei mindestens 35 Mitglieder der PKK.

Die PKK hatte zuvor bei einem Anschlag im Osten der Türkei 14 Polizisten getötet. Der vermutlich von kurdischen Aufständischen gelegte Sprengsatz zerstörte einen Kleinbus, der die Beamten nach Dilucu an der Grenze zu Aserbaidschan bringen sollte, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sagte anschließend, er werde "das Land nicht an die Terroristen ausliefern".

Spannungen zwischen Türken und Kurden nehmen zu

Schon seit dem Ende der Waffenruhe zwischen der Regierung und der PKK Ende Juli lieferten sich Sicherheitskräfte und Anhänger der Rebellenbewegung täglich Gefechte – etwa tausend kurdische Rebellen und hundert Sicherheitskräfte wurden seitdem getötet.

Auch die Spannungen zwischen den türkischen und kurdischen Bevölkerungsteilen nehmen täglich zu. In einem Vorort von Ankara griffen Dutzende Nationalisten kurdische Saisonarbeiter an und setzten Autos in Brand, berichtete die Nachrichtenagentur Dogan. Es habe sieben Verletzte gegeben, darunter zwei Polizisten.

Der Chef der kurdischen Partei HDP, Selahattin Demirtas, suchte die Lage zu beruhigen. "Kurden, Türken, rückt zusammen!", sagte er vor Journalisten. "Der Frieden ist die beste Medizin." Immerhin ließ die PKK am Dienstag 20 türkische Bürger frei, unter ihnen zwölf Zollbeamte, die im August in den Nordirak verschleppt worden waren. Ankara bestätigte die Freilassung. Ein PKK-Vertreter sagte, die Gruppe wäre schon eher freigelassen worden, wenn die türkische Luftwaffe keine Angriffe in der Region geflogen hätte.

Der blutige Konflikt überlagert längst auch den Wahlkampf: Am 1. November wird in der Türkei ein neues Parlament gewählt, weil nach der Wahl am 7. Juni keine Regierungsbildung gelungen war. Die regierende AKP hatte massive Verluste erlitten. Die PKK kämpft seit 1984 für Autonomie im Südosten der Türkei. Von der Türkei und ihren Verbündeten wird sie als Terrororganisation betrachtet.