Der venezolanische Oppositionsführer Leopoldo López muss für fast 14 Jahre ins Gefängnis. Wegen Anstachelung zur Gewalt und Verschwörung verurteilte ein Gericht in der Hauptstadt Caracas den Chef der Oppositionspartei Voluntad Popular zu 13 Jahren, neun Monaten und sieben Tagen Haft. Sein Anwalt kündigte an, Berufung gegen das Urteil einzulegen. López beteuert nach wie vor, nur zu friedlichen Protesten gegen die sozialistische Regierung von Präsident Nicolás Maduro aufgerufen zu haben.

López hatte im Februar 2014 zu Demonstrationen gegen die Regierung von Präsident Nicolás Maduro aufgefordert. Bei Straßenschlachten zwischen Oppositionellen und Regierungsanhängern kamen 43 Menschen ums Leben, über 800 wurden verletzt. Der Oppositionschef sitzt seit eineinhalb Jahren im Militärgefängnis Ramo Verde in der Stadt Los Teques. Zahlreiche Länder und Organisationen sehen in López einen politischen Gefangenen und fordern seine Freilassung.

Neben dem Oppositionsführer wurden auch die Studenten Cristian Holdack, Ángel González und Demián Martín verurteilt. Sie müssen ihre Haftstrafen aber wohl nicht antreten oder dürfen sie als Hausarrest verbüßen. López' Parteifreunde kritisierten den Schuldspruch. "Diese Entscheidung von Maduro gegen López sollte uns noch mehr Kraft geben", sagte der politische Koordinator von Voluntad Popular, Carlos Vecchio. "Nichts und niemand kann den Wechsel in Venezuela stoppen."

Vertreter der bürgerlichen Mittelschicht

Vor der Urteilsverkündung war es vor dem Gericht zu Krawallen gekommen. Oppositionelle wurden nach eigenen Angaben von Regierungsanhängern angegriffen. Ein Sympathisant von López erlitt dabei einen Herzinfarkt und starb, wie Voluntad Popular mitteilte. Auch Journalisten erklärten, sie seien attackiert worden. 

López ist auch aus dem Gefängnis heraus noch politisch aktiv. Zuletzt hatte er mit einem Hungerstreik in der Haft die Festsetzung von Parlamentswahlen im Dezember erzwungen.  Im Mai hatte er außerdem zu Protesten aufgerufen.

Der 44-jährige Anwalt war von 2000 bis 2008 Bürgermeister der wohlhabenden Gemeinde Chacao im Hauptstadtbezirk. Als er bei der Wahl zum Oberbürgermeister von Caracas antreten wollte, wurde ihm wegen angeblicher finanzieller Unregelmäßigkeiten für neun Jahre die Ausübung öffentlicher Ämter untersagt.

López begann seine politische Karriere bei der konservativen Partei Primero Justicia und gründete vor sechs Jahren die eher sozialdemokratisch ausgerichtete Voluntad Popular. Er vertritt die bürgerliche Mittelschicht, die unter der desolaten Wirtschaftslage in dem südamerikanischen Land leidet. Die USA haben seine Freilassung zur Bedingung für die Normalisierung zwischen beiden Staaten gemacht.