Wenn die CSU-Landtagsfraktion sich in der kommenden Woche in der Abgeschiedenheit von Kloster Banz zu einer Fraktionstagung versammelt, kann sie sich überregionaler Aufmerksamkeit sicher sein. Das liegt diesmal weniger am hauseigenen Personal als an einem der geladenen Gäste: Dem ungarischen Präsidenten Viktor Orbán.

Die bayerische Opposition ist über diesen Besuch bei der Regierungspartei empört. Für Florian Pronold, den Vorsitzenden der Bayern-SPD, ist Orbán der "Inbegriff eines Anti-Europäers." Die Einladung der CSU sei "peinlich für die konservative Parteienfamilie, denn durch diese Annäherung verpasst sie die Möglichkeit einer Intervention im Umgang der ungarischen Regierung mit den Flüchtlingen", sagt Pronold. Horst Seehofer vollziehe einen widerlichen Schulterschluss mit einem Rechtspopulisten, findet auch die bayerische Grünen-Fraktionsvorsitzende Margarete Bause. "Was will er denn von diesem Mann lernen, der seit Jahren gegen die europäische Solidarität verstößt?", fragt sich auch SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher.

Den CSU-Chef selbst lässt diese Kritik, wen wundert's, unberührt. "Wir sollten Orbán nicht verteufeln. Nicht alles, was er sagt, ist richtig. Aber es wäre falsch, mit pauschalen Vorurteilen über ihn herzufallen", rechtfertigte er seine umstrittene Einladung am Donnerstag im Donaukurier.

Nicht erst seit dem Bau seines Grenzzauns zu Serbien steht Orbán unter internationaler Kritik: Auch wegen seiner Äußerung, keine Muslime in Ungarn aufnehmen zu wollen sowie seinen teilweise chaotischen und vernachlässigten Flüchtlingslagern, gilt Orbán in der EU als Außenseiter. 

Deshalb stößt Seehofers Einladung auch in seiner eigenen Partei auf verhaltene Kritik. Sowohl der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel als auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm sollen in der Vorstandssitzung am vergangenen Montag in Zweifel gezogen haben, ob Orbán wirklich der richtige Gast für eine Klausur der Landtagsfraktion ist.

Doch die Zustimmung überwiegt bei weitem. "Momentan wird in Europa nicht zu viel sondern zu wenig miteinander gesprochen", findet zum Beispiel innenpolitischer Sprecher der CSU-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer. Orbán sei mit Blick auf die Flüchtlingskrise nun mal einer der wichtigsten Akteure. Da sei es doch richtig, auch mit ihm zu sprechen. 

"Gerade wir Deutschen sind auf Kooperation mit Ungarn angewiesen"

Ganz ähnlich sieht es der Fraktionsvorsitzende der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, der in Banz die Diskussion mit Orbán führen soll. "Um die Flüchtlingsströme zu steuern, sind gerade wir Deutschen auf die Kooperation mit Ungarn angewiesen", betont er. Man habe ein gemeinsames Interesse daran, die EU-Außengrenzen zu sichern und zu kontrollieren, wer ins Land gelange.

Im Übrigen verteidigt man sich in der CSU damit, dass man im Gespräch mit Orbán natürlich auch kritische Punkte ansprechen werde. "Dass Orbán sich weigert, muslimische Flüchtlinge aufzunehmen, geht natürlich nicht", sagt Mayer. Und setzt hinzu: "Orbán wird seine Positionen nur ändern, wenn man mit ihm redet".

Orbán zu einem besseren Europäer zu machen, dürfte allerdings kaum das wesentliche Motiv der CSU-Führung für die Einladung gewesen sein. Auch dass seinem Land in dieser Krise eine wichtige Funktion zukommt, rechtfertigt seinen Besuch noch nicht. Schließlich kann man sich viele andere potenzielle Gäste vorstellen, die zur Lösung der Flüchtlingsfrage in Europa auch einiges hätten sagen können. EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker zum Beispiel oder ein Vertreter Griechenlands oder Italiens, wo die meisten Flüchtlinge erstmals europäischen Boden betreten. Sie haben aber bisher keine Einladung erhalten.