Russland hat nach Angaben eines US-Regierungsvertreters seine militärische Präsenz in Syrien weiter verstärkt. Der Kreml habe in den vergangenen Tagen gepanzerte Truppentransporter in das Bürgerkriegsland entsandt, sagte der Beamte, der nicht namentlich genannt werden wollte. Auch seien zwei Panzerlandungsschiffe auf dem russischen Marinestützpunkt im syrischen Hafen Tartus eingetroffen.

Unlängst sei zudem ein weiteres russisches Militärflugzeug vom Typ Antonow-124 Condor auf dem Flughafen bei Latakia gelandet. Damit sei die Zahl der dort in den vergangenen Tagen eingetroffenen russischen Transportmaschinen auf mindestens vier gestiegen.

Etwa ein Dutzend gepanzerte Truppentransporter und Dutzende russische Soldaten befänden sich auf dem Bassel-al-Assad-Flughafen in der Region Latakia, sagte der US-Regierungsvertreter. Dabei handele es sich aber nicht um Kampftruppen. Aufgabe der Soldaten sei offenbar vielmehr, die eintreffenden Militärgüter zu schützen. Ein Pentagon-Sprecher sprach von "weniger als 50" Soldaten.

Mehrere Beobachter im Libanon berichteten, russische Truppen hätten bereits an Kampfhandlungen in Syrien teilgenommen. "Sie haben mit einer kleinen Zahl von Soldaten begonnen, aber das größere Kontingent hat sich noch nicht beteiligt", sagte einer der Kenner der politischen und militärischen Szene in Syrien. Die syrische Regierung bestreitet eine Beteiligung russischer Truppen an den Kämpfen. Russland selbst äußert sich nicht zum konkreten Ausmaß seiner Militärhilfe für Syrien.

Doch auch in Syrien heißt es, Russland habe die Präsenz seiner Militärberater dort ausgeweitet. "Russische Experten sind immer vor Ort, aber im vergangenen Jahr waren sie stärker präsent", verlautete aus syrischen Militärkreisen. Alle Aspekte der Beziehungen zwischen Syrien und Russland würden derzeit weiterentwickelt, auch die militärischen. Russland argumentiert, seine Militärexperten seien nur vor Ort, um der syrischen Armee bei der Übernahme russischer Waffenlieferungen zu helfen.

Die USA vermuten dagegen, dass Russland seine Truppen verstärkt, um Präsident Baschar al-Assad zur Seite zu eilen. In US-Regierungskreisen hieß es am Wochenende, man beobachte alarmierende Vorbereitungen in Syrien. So seien Wohncontainer für Hunderte Menschen zu einem syrischen Flugplatz transportiert worden. Dies könne darauf hindeuten, dass Russland die Verlegung schweren Militärmaterials dorthin vorbereite. Assads Truppen verloren zuletzt immer mehr Territorium an die Aufständischen. In dem seit über vier Jahren andauernden Bürgerkrieg sind über 250.000 Menschen getötet worden.

Westen zeigt sich zunehmend besorgt

US-Außenminister John Kerry sprach nach Angaben seines Ministeriums am Mittwoch erneut mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow. Dabei habe er die Besorgnis der US-Regierung über Anzeichen für einen russischen Militäraufmarsch unterstrichen. Sollten die Berichte stimmen, würde dies zu noch mehr Gewalt in der Region beitragen, warnte Kerry. Ein Sprecher von Präsident Barack Obama sagte, es sei skrupellos, das Assad-Regime zu unterstützen. 

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zeigte sich ebenfalls alarmiert. "Ich bin besorgt über Berichte über eine verstärkte russische Militärpräsenz in Syrien", sagte er. "Das wird keinen Beitrag zur Lösung der Krise bringen." Auch der französische Außenminister Laurent Fabius sagte, die russische Präsenz in Syrien erschwere die Suche nach einer politischen Lösung.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte zuvor Russland, aber auch Frankreich und Großbritannien vor einem stärkeren militärischen Eingreifen in den Bürgerkrieg gewarnt. Die Atomeinigung mit dem Iran und die neue Initiative der Vereinten Nationen böten erstmals Ansatzpunkte für eine politische Lösung des Konflikts in Syrien, sagte er. "Es kann nicht sein, dass jetzt wichtige Partner, die wir brauchen, auf die militärische Karte setzen." Konkret bezog sich der Minister auf Erwägungen Frankreichs und Großbritanniens für Luftangriffe in Syrien.

Dies sei jedoch nicht als Kritik an den EU-Partnern oder am Einsatz des Anti-IS-Bündnisses zu werten, hieß es im Umfeld Steinmeiers. Vor allen Dingen sei er aber bestürzt über Pressemeldungen, wonach Russland derzeit mehr Militärmaterial als bisher nach Syrien schaffe – zu "welchem Zweck auch immer".