An diesem Freitag kommt der saudische König Salman bin Abdel Asis al-Saud in die USA. Es wird um den Iran gehen, um den Krieg im Jemen und natürlich um den Kampf gegen die IS-Dschihadisten. Vor allem aber wird es viele Bilder aus dem sonnigen Washington geben. Der alte König mit dem vergleichsweise jungen Präsidenten. Der Mann von gestern gegen den Repräsentanten einer Welt von morgen, in der Einwandererkinder Staatschefs werden. So denken wahrscheinlich viele, wenn sie die Bilder von dem gebrechlichen Salman neben dem sportlichen Obama sehen. Es passt zu dem Bild von der Gerontokratie, das wir uns von Saudi-Arabien machen. 

Doch genau dieses Bild ist längst überholt. Denn wer aufmerksam hinsieht, wird auf den Fernsehbildern hinter Salman einen jungen Mann entdecken. Auf den kommt es an, er hält die Strippen in der Hand. Auf ihn setzt der König für die Zukunft. Der Mann ist dreißig Jahre alt, Salmans Sohn, und heißt Mohammed bin Salman al-Saud. Mit ihm ist in die saudische Außenpolitik eine ungestüme Unberechenbarkeit eingezogen, die dem Westen viel mehr Kopfschmerzen bereiten könnte als die altbekannte Gerontokratie.

Mohammed bin Salman, kurz auch MbS genannt, gehört zu den jungen Männern der Königsdynastie, die in einem Luxusambiente aufgewachsen sind und in ihrem Leben kaum je an Grenzen gestoßen sind. Sein Vater ist die letzte Schranke. Als Salman im vergangenen Jahr König wurde, hat er einen weichen Putsch gegen jenen Mann inszeniert, der ihm eigentlich nachfolgen sollte. Eigentlich sollte eines Tages Prinz Mukrin König nach Salman werden, so hatte es wiederum Salmans Vorgänger Abdallah festgelegt. Salman aber revolutionierte die Thronfolge, feuerte im Frühling 2015 Mukrin, setzte Mohammed bin Nayef als Kronprinz und seinen Sohn Mohammed bin Salman als dessen Stellvertreter ein. MbS agiert jetzt schon als Statthalter des Königs. 

Als Verteidigungsminister scheint Mohammed bin Salman auch den Außenministerposten übernommen zu haben. Er vertrat Saudi-Arabien auf Reisen nach Moskau, Ägypten und in die USA, bei denen es um weit mehr ging als nur Militärisches. In Russland vereinbarte MbS ein Investitionspaket von rund 10 Milliarden Dollar. In Ägypten unterzeichnete er die "Kairoer Deklaration" über eine strategische Allianz der beiden Staaten. Mit den Machtinsignien seines Vaters im Rücken verändert MbS die saudische Außenpolitik.

Am sichtbarsten ist das im Nachbarland Jemen. Dort führt Saudi-Arabien zum ersten Mal seit den Einigungskämpfen der dreißiger Jahre aktiv Krieg – unter der Führung von MbS. Es ist vor allem ein Luftkrieg gegen die schiitischen Huthi-Stämme, die den Präsidenten und saudischen Verbündeten Hadi aus der Hauptstadt Sanaa und später aus der Hafenstadt Aden vertrieben hatten. Inzwischen konnte Hadi mit saudischer Hilfe Aden zurückerobern – es ist der erste große Erfolg des Feldzuges von Mohammed bin Salman. Der Krieg ist sehr populär in Saudi-Arabien. Doch hat er viele dunkle Seiten. Unter dem Teppich des saudischen Bombardements weitet Al-Kaida  seinen Einfluss aus. In vielen Teilen Jemens ist die Versorgung zusammengebrochen, Tausende sind gestorben, über 1,4 Millionen Jemeniten sind auf der Flucht.

Der Krieg markiert die neue, unter den alternden Königen zuvor nicht gekannte Ambition der saudischen Außenpolitik. MbS und sein Vater König Salman wollen mit allen Mitteln den Iran in die Schranken weisen, der Krieg im Jemen ist für sie Teil des Projekts. Sie haben die wichtigsten arabischen Staaten in einer Koalition gegen die schiitischen Huthis zusammengeschweißt, hinter denen sie den Iran sehen. Saudi-Arabien schwingt sich unter Salman und MbS zur dynamischen arabischen Führungsmacht auf, die zur Durchsetzung ihrer Ziele neben Öl, Geld und Islamexport nun auch das vom Westen hochgerüstete Militär einsetzt.

Barack Obama wird es kaum gelingen, Salman und seinen Sohn vom Sinn und Zweck des Nuklearabkommens mit dem Iran zu überzeugen. Doch wird er den vielleicht größten außenpolitischen Erfolg seiner Amtszeit auch nicht für die Saudis dahingeben. Im Senat hat der amerikanische Präsident nun die entscheidenden Stimmen für den Iran-Deal gesammelt. Es steht zu befürchten, dass die Amerikaner den Ausgleich mit dem Iran zementieren wollen und gleichzeitig die Saudis nicht vollends verprellen. Das heißt: mehr Waffen, mehr Unterstützung für die Saudis im Jemen, keine Kritik an Repression in Saudi-Arabien. Mohammed bin Salman und sein Vater sind teure Gäste.