Die ungarische Polizei hat den Oppositionspolitiker und Journalisten György Kakuk festgenommen, weil er den Stacheldrahtzaun an der Grenze zu Serbien durchgeschnitten hat. Kakuk, ein Präsidiumsmitglied der linksliberalen Demokratischen Koalition (DK), kniff zusammen mit der serbischen Journalistin Milica Mancic Stojkovic bei Röszke mit einer Zange das Metall durch, um die Sperre symbolisch zu zerstören, berichtete das Portal szegedma.hu in Szeged.

Der Polizei zufolge hat sich Kakuk der Sachbeschädigung schuldig gemacht, ihm droht eine Geldstrafe. Der Politiker bestreitet die Anschuldigung nicht. Mit der Aktion habe er darauf aufmerksam machen wollen, dass das ungarische Parlament in den nächsten Tagen per Gesetz die Beschädigung des Grenzzauns zur Straftat erklären will. Dafür könnten Täter dann bis zu fünf Jahre Gefängnis erhalten.

Der mit Stacheldraht gesicherte Zaun an der 175 Kilometer langen Grenze zu Serbien war am vergangenen Wochenende fertig geworden.

Ungarn ist in diesem Jahr besonders von der Flüchtlingskrise betroffen, weil es auf der Landroute von Süd- nach Nordeuropa liegt. Dieses Jahr sind nach Angaben der Regierung bereits mehr als 156.000 Flüchtlinge nach Ungarn eingereist. 142.000 haben laut Innenministerium um Asyl gebeten, darunter 45.000 Syrer. Am Keleti-Bahnhof in Budapest kontrolliert die Polizei den Zugang zum Bahnhof, um die unkontrollierte Weiterreise von Flüchtlingen zu verhindern.

Auf der bei Flüchtlingen beliebten Balkan-Route liegt auch Serbien. Da auch dort die Zahl von Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan und Pakistan stark gestiegen ist, will die Regierung in Belgrad ein neues Aufnahmelager errichten. Eines werde in der Hauptstadt Belgrad und eines in der Stadt Subotica an der Grenze zu Ungarn entstehen, sagte Sozialminister Aleksandar Vulin.

Über andere Standorte und die Kapazität der geplanten Aufnahmeeinrichtungen wollte Vulin nichts sagen. Ihr Bau werde ausschließlich durch ausländische europäische Stiftungen und internationale Organisationen bezahlt. Die Einrichtungen sind demnach nur für den Übergang gedacht, "damit die Menschen nicht auf der Straße sind und ihre Kinder erkranken, weil ja der Winter kommt", sagte der Minister. 

Desolat ist die Lage derzeit in Griechenland: Auf der Ostägäis-Insel Lesbos sitzen seit Tagen mehr als 15.000 Flüchtlinge fest – und jeden Tag kommen Hunderte Menschen aus der Türkei hinzu. Viele von ihnen wollen über die Balkan-Route weiter gen Westen ziehen. Doch wegen der Finanzkrise in Griechenland haben die Kommunalbehörden auf Lesbos kein Geld, um den Menschen zu helfen. Es fehlt an Toiletten, viele Menschen übernachten im Freien. Die griechischen Behörden versuchen die Lage auf den Inseln zu entschärfen, indem sie Flüchtlinge mit Fähren nach Piräus zum Festland bringen. Allein am späten Dienstagabend und Mittwochfrüh sollten mehr als 4.200 Flüchtlinge die Inseln auf diesem Weg verlassen. 

Viele Frauen und Kinder auf der Flucht

Auf der Balkanroute versuchen nach UN-Angaben mittlerweile auch immer mehr Frauen und Kinder, in nördliche EU-Länder zu gelangen. Von den etwa 3.000 Flüchtlingen, die derzeit täglich von Griechenland aus Mazedonien durchqueren, seien rund ein Drittel Frauen und Kinder, teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) mit. Dies seien etwa dreimal so viele wie noch vor drei Monaten, sagte Unicef-Sprecher Christophe Boulierac in Genf. Zudem seien etwa zwölf Prozent der über Mazedonien fliehenden Frauen schwanger.

Unicef beruft sich auf Zahlen der Regierung Mazedoniens. Die weitaus meisten der zurzeit dort ankommenden Flüchtlinge stammen laut Unicef aus Syrien, einige auch aus Afghanistan und dem Irak. "Die Menschen sind seit Monaten unter schwierigen Bedingungen unterwegs, viele leiden an Dehydrierung und Durchfall", erklärte Boulierac. Ihre Versorgung mit Trinkwasser müsse dringend verbessert werden.