Die USA werden in den kommenden zwölf Monaten deutlich mehr syrische Flüchtlinge aufnehmen als bisher. "Der Präsident hat seine Mitarbeiter angewiesen, im nächsten Haushaltsjahr mindestens 10.000 Syrern die Einreise als anerkannte Flüchtlinge zu ermöglichen", sagte der Sprecher des Weißen Hauses Josh Earnest. Diese Zahl gelte für das im Oktober beginnende Haushaltsjahr 2016.

Seit einiger Zeit stehen die USA international in der Kritik, weil sie im Vergleich zu vielen europäischen Staaten nur einen Bruchteil der Flüchtlinge aufnehmen. Die Vereinigten Staaten haben seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien nur etwa 1.500 Menschen aus dem Land aufgenommen. Die US-Regierung begründete die vergleichsweise niedrigen Zahlen mit strengen Sicherheitskontrollen, die die Anti-Terror-Gesetze vorschreiben.   

Für jedes Haushaltsjahr bestimmt die US-Regierung eine Obergrenze an Flüchtlingen. Zuletzt lag das Limit bei 70.000, aufgeschlüsselt nach Weltregionen. Auf Länder des Nahen und Mittleren Ostens sowie Südasien entfielen im laufenden Haushaltsjahr etwa 33.000 Plätze, für Afrika waren 17.000 und für Flüchtlinge aus ostasiatischen Staaten 13.000 Plätze reserviert.

"Eher Trägheit als Führungsstärke"

Die Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) hatte die USA dazu aufgerufen, 65.000 syrische Flüchtlinge ins Land zu lassen. "Die USA sind historisch der Anführer bei der Anerkennung der moralischen Pflicht, Flüchtlinge aufzunehmen", erklärte der IRC-Chef und frühere britische Außenminister David Miliband. "Aber in den vier Jahren der Syrien-Krise gab es eher Trägheit als Führungsstärke."

Auch andere Länder außerhalb der EU haben sich dazu bereit erklärt, dabei zu helfen, die Flüchtlingskrise in Syrien zu bewältigen. Die britische Regierung teilte zuletzt mit, rund 20.000 Flüchtlinge aus Lagern an der syrischen Grenze aufnehmen zu wollen. Australien kündigte an, 12.000 weitere Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Auch die brasilianische Staatschefin Dilma Rousseff sagte zuletzt, ihr Land nehme syrische Flüchtlinge in diesen Krisenzeiten "mit offenen Armen" auf.