Bei der Präsidentenwahl in Argentinien kommt es zu einer Stichwahl um die Nachfolge von Amtsinhaberin Cristina Fernández de Kirchner. Der konservative Oppositionsführer Mauricio Macri führt überraschend. Der Bürgermeister von Buenos Aires hat nach der Auszählung von 72 Prozent der Stimmen 35,9 Prozent bekommen. Der Bewerber der Regierungskoalition, Daniel Scioli, erhielt demnach 35,0 Prozent. Zunächst hatte er vorn gelegen. "Was heute passiert, verändert die Politik dieses Landes", erklärte Macri vor seinen Anhängern. Die Kontrahenten müssen sich am 22. November einer zweiten Wahlrunde stellen. 

In Argentinien muss ein Kandidat 45 Prozent der Stimmen erreichen oder mindestens 40 Prozent sowie 10 Prozentpunkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten haben, um in der ersten Runde zu gewinnen. Auf Platz drei kam Nachwahlbefragungen zufolge Sergio Massa, ein früherer Kabinettschef Kirchners.

Kirchner durfte sich laut Verfassung nicht um eine dritte Amtszeit in Folge bewerben.

Mit der Wahl geht eine Ära zu Ende. Nach zwölf Jahren "Kirchnerismo" wird kein Kirchner mehr an der Spitze der drittgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas stehen. Zunächst war Nestor Kirchner Präsident, nach dessen Tod für acht Jahre seine Frau Cristina. Sie legte umfangreiche Sozialprogramme auf und führte Währungs- sowie Handelskontrollen ein. Dies brachte ihr vor allem bei den Ärmsten hohe Zustimmungswerte. Das starke Abschneiden Macris unterstreicht den Wunsch vieler Wähler nach einem Wandel nach zwölf Jahren unter dem System Kirchner.

Es wurden am Sonntag auch 130 der 257 Abgeordneten und ein Drittel der 72 Senatsmitglieder sowie die Gouverneure von elf der 24 Provinzen gewählt. Der nächste Präsident wird nach allen Umfragen über keine eigene Mehrheit in der Abgeordnetenkammer verfügen. Der Streit mit den Hedgefonds um unbezahlte Auslandsschulden, die hohe Inflation und eine drohende Rezession gehören zu den Problemen, die alle Kandidaten angehen wollen.