Wie erwartet ist Alexander Lukaschenko mit großer Mehrheit in eine fünfte Amtszeit gewählt worden. Die Opposition hatte die Wahl, bei der keiner ihrer Anführer antreten durfte, boykottiert. Die Wahlbeteiligung lag nach offiziellen Angaben bei 86,8 Prozent.

Gegnern Lukaschenkos blieb nur die Möglichkeit, gegen sämtliche Kandidaten zu stimmen: Davon machten landesweit 6,4 Prozent Gebrauch; in der Hauptstadt Minsk waren es nach Angaben der Wahlkommissionschefin Lidija Jermoschina mit 20,6 Prozent die meisten. Dort erzielte Lukaschenko mit 65,6 Prozent auch sein landesweit schlechtestes Ergebnis.

Die Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) wollen ihren Bericht am Montag vorstellen. Frühere Urnengänge hatten sie als unfair kritisiert. Nach der Präsidentschaftswahl 2010, bei der nach offiziellen Angaben 79,6 Prozent der Stimmen für Lukaschenko abgegeben wurden, waren Regierungsgegner aus Protest gegen das Ergebnis auf die Straße gegangen. Lukaschenko ließ die Demonstrationen niederschlagen und viele Menschen festnehmen.

EU könnte Sanktionen aufheben

Zwischen Belarus und dem Westen herrschte jahrelang Eiszeit. So bezeichnete im Jahr 2005 die damalige US-Außenministerin Condoleezza Rice die frühere Sowjetrepublik als "letzte Diktatur Europas". In jüngster Zeit gibt es kleine Zeichen von Entspannung.

EU-Diplomaten zufolge erwägt Brüssel eine Aussetzung der Sanktionen gegen Minsk für zunächst vier Monate. Entsprechend genau verfolgt die Europäische Union die diesjährige Wahl. Eine erste Bewertung soll am Montag beim Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg erfolgen. Grundlage für weitere Entscheidungen sollen Berichte der OSZE-Wahlbeobachter sein.

Gesten des guten Willens

Lukaschenko hatte vor der Wahl sechs inhaftierte Oppositionspolitiker freigelassen, darunter seinen einstigen Gegenkandidaten Mikola Statkewitsch. Sie galten als letzte politische Gefangene in der früheren Sowjetrepublik. Zur Wahl durften sie allerdings nicht antreten. Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise sieht Brüssel positiv. So war der Staatschef bei Friedensverhandlungen zwischen den Konfliktparteien der Gastgeber. Außerdem kritisierte er die Annexion der Krim durch Russland.

Bei der Stimmenabgabe am Sonntag sagte Lukaschenko, sein Land habe vor den Wahlen alles getan, was der Westen verlangt habe. Einer Verbesserung der Beziehungen stehe nichts im Wege. "Jetzt ist eindeutig der Westen am Zug."

Diplomaten zufolge könnten die EU-Außenminister die Wahl bei ihrem Treffen positiv bewerten. Eine Aufhebung von Kontensperrungen und Einreiseverboten könnte demnach in diesem Monat folgen. Dies wäre eine wichtige Erleichterung für die belarussische Wirtschaft, die unter der Krise ihres wichtigsten Handelspartners Russland leidet.

Oppositionsführer Statkewitsch rief die EU auf, die Sanktionen aufrechtzuerhalten. Auch die diesjährige Literaturnobelpreisträgerin, die Belarussin Swetlana Alexijewitsch, sprach sich gegen eine Annäherung der EU an Lukaschenko aus.