Auf der Balkanroute sollen 100.000 neue Aufnahmeplätze für Flüchtlinge geschaffen werden. 50.000 davon entfielen auf Griechenland, sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Ein Sondergipfel in Brüssel beschloss einen 17-Punkte-Plan, der zudem binnen einer Woche die Entsendung von 400 Grenzschützern in das stark belastete Slowenien vorsieht. Außerdem soll die EU-Grenzschutzagentur Frontex in einer neuen Mission die Grenze zwischen Griechenland, Mazedonien, Albanien und Serbien besser absichern.

An dem Treffen nahmen zehn EU-Länder sowie Serbien, Mazedonien und Albanien teil. Die Politik des Durchwinkens der Flüchtlinge auf dem Balkan und nationaler Alleingänge müsse ein Ende haben, sagte Juncker. "Nachbarn sollten zusammenarbeiten und nicht gegeneinander." Es sei bei dem kurzfristig einberufenen Treffen darum gegangen, eine sich anbahnende und zum Teil schon existierende humanitäre Krise abzuwenden.

Innerhalb von 24 Stunden solle nun ein Netz von Ansprechpartnern auf höchster Ebene entstehen. Das Ziel sei "eine allmähliche, kontrollierte und geordnete Bewegung" der Menschen auf der Balkanroute, so die Abschlusserklärung der Teilnehmer. "Wir werden Flüchtlinge oder Migranten entmutigen, zur Grenze eines anderes Landes der Region zu ziehen", heißt es weiter.

Seit Wochen weisen sich die Länder der Region gegenseitig die Schuld an der Situation zu. "Jeder ist versucht zu sagen, jemand anders ist Schuld", sagte ein Diplomat am Rande der Gespräche. "Das müssen wir stoppen."

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn kündigte an, dass das Thema am 9. November beim Sondertreffen der EU-Innenminister vertieft werde. Sein Land hat derzeit den Vorsitz der EU-Staaten. Asselborn verwies zudem auf die finanziellen Belastungen: "Wir brauchen ein großes Budget, um das meistern zu können."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem "wichtigen Treffen", das aber nur ein Baustein für eine Lösung sei. "Nicht lösen können wir das Flüchtlingsproblem insgesamt. Da bedarf es unter anderem natürlich weiterer Gespräche mit der Türkei." Merkel sagte zur humanitären Situation: "Wir sind alle humanitären, menschlichen Werten verpflichtet. Und die Bilder, die wir in den letzten Tagen gesehen haben, haben dem nicht entsprochen, was unsere Werte sind."

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte: "Es kann nicht sein, dass in Europa 2015 Menschen sich selbst überlassen werden, dass sie auf dem Feld schlafen und bei eiskalten Temperaturen bis zur Brust durch Flüsse waten."

UN-Flüchtlings-Hochkommissar Antonio Guterres forderte mehr legale Einwanderungsmöglichkeiten und eine Umverteilung von Migranten auf alle EU-Staaten.

Zuvor hatten mehrere Teilnehmer des Treffens vor einem Zerfallen der EU gewarnt. Wenn es nicht schnelle und konkrete Lösungen vor Ort gebe, würden "die EU und Europa als Ganzes beginnen, auseinanderzubrechen", sagte der slowenische Regierungschef Miro Cerar. Auch Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann hielt einen "leisen Zerfall der EU" für möglich, wenn diese nicht gemeinsam vorgehe, wie er der Kronen Zeitung sagte. Bulgarien, Rumänien und Serbien hatten gewarnt, sie würden ihre Grenzen für Flüchtlinge schließen, sollten Deutschland, Österreich und andere EU-Staaten keine Menschen mehr aufnehmen.