Die griechischen Abgeordneten haben den früheren Innenminister Nikos Voutsis zum neuen Parlamentspräsidenten gewählt. Der Syriza-Politiker löst die streitbare Linkspolitikerin Zoe Konstantopoulou ab, die durch die völlige Ablehnung eines Kompromisses mit den internationalen Geldgebern bekannt geworden war. Sie hatte es bei den vorgezogenen Neuwahlen Ende September nicht erneut ins Parlament geschafft.

Voutsis erhielt 181 der 300 Stimmen. Damit war er deutlich weniger erfolgreich als seine Vorgängerin Konstantopoulou, die im Februar mit 235 Stimmen gewählt worden war. Für Voutsis stimmten als Zeichen der Kooperationsbereitschaft neben der Linkspartei und ihrem Koalitionspartner, der rechtspopulistischen Partei der Unabhängigen Griechen (Anel), auch zahlreiche Abgeordnete der Opposition. 113 Abgeordnete enthielten sich, drei Stimmen waren ungültig und drei Abgeordnete nahmen nicht an der Abstimmung teil. Einen Gegenkandidaten gab es nicht.

Voutsis zählt zu den Gründungsmitgliedern von Syriza und war lange Zeit ein entschiedener Gegner der Spar- und Reformpolitik, zu der sich Griechenland im Gegenzug für Milliardenhilfen der internationalen Kreditgeber verpflichten musste. Der 64-jährige Bauingenieur hat aber die Entscheidung von Ministerpräsident Alexis Tsipras im August mitgetragen, im Gegenzug für weitere Finanzhilfen eine Fortsetzung des Spar- und Reformkurses zuzusichern.

Konstantopoulou veröffentlichte als letzte Amtshandlung am Sonntag einen Parlamentsbericht zu den Staatsschulden. Demnach ist die Vereinbarung mit den Kreditgebern von August "illegitim, illegal, schändlich und nicht umsetzbar".

Am Montag beginnt im Parlament in Athen die programmatische Erklärung der Regierung unter Alexis Tsipras. Am Mittwoch will sich die neue Regierung einer Vertrauensabstimmung stellen. Tsipras hatte die Wahl am 20. September klar mit 35,5 Prozent (145 Abgeordnete) gewonnen. Zweitstärkste Kraft im Parlament ist die konservative Nea Dimokratia (ND) mit 28,1 Prozent (75 Abgeordnete).

Die neue Links-rechts-Regierung hat nicht viel Zeit: Sie muss rasch Privatisierungen und umfangreiche Reformen bei Renten und Steuern durchführen. Nur so kann Athen auf die weitere Umsetzung eines von den Gläubigern der EU im Juli beschlossenen Hilfspakets von bis zu 86 Milliarden Euro hoffen.