Der von den Palästinensern ausgerufene "Tag des Zorns" hat am Freitag zu neuen Angriffen und Protesten in Israel und im Westjordanland geführt. Bei Ausschreitungen an der Grenze zum Gazastreifen wurden drei Palästinenser von israelischen Sicherheitskräften erschossen. Am Nachmittag attackierte ein Palästinenser im Westjordanland einen israelischen Soldaten mit einem Messer. Der Soldat erlitt mittelschwere Verletzungen, der Angreifer wurde erschossen.

Zuvor hatten etwa 100 Palästinenser versucht, die Anlage des Josefsgrabs zu stürmen. Nach israelischen Angaben wurde ein Teil der Anlage in Brand gesetzt, bevor Einheiten der palästinensischen Polizei die Menge verjagen und das Feuer löschen konnten. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte den Angriff und kündigte eine Untersuchung an. Die palästinensische Autonomiebehörde werde für die Schäden aufkommen, sagte Abbas.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warf Abbas vor, für die Gewalt mitverantwortlich zu sein. Abbas hatte die Palästinenser zu friedlichen Protesten aufgerufen, vor allem Jugendliche hatten den Appell ignoriert. Zugleich zeigte sich Netanjahu zu Gesprächen mit der palästinensischen Seite bereit. Auch US-Außenminister John Kerry forderte Abbas auf, die Ausschreitungen nicht weiter zu verstärken. Kerry will mit Netanjahu in der kommenden Woche in Berlin zusammenkommen, um über die Situation zu beraten. Ob er auch Abbas treffen wird, ist nicht bekannt.

Die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern sind in den vergangenen Wochen gestiegen. Ein Grund sind Befürchtungen der Palästinenser, dass Israel den Status quo auf dem umstrittenen Tempelberg in Jerusalem zugunsten von Juden verändern könnte. Seit Beginn der Gewalt Mitte September starben 36 Palästinenser und acht Israelis bei Angriffen von Palästinensern.