Sicherheitskräfte haben in Israel vier palästinensische Attentäter nach Messerattacken auf Israelis erschossen. Ein 16-Jähriger sei in Ost-Jerusalem von Soldaten getötet worden, nachdem er ein Messer gezogen habe, sagte Polizeisprecherin Luba Samri. Kurz zuvor habe in Hebron im Westjordanland ein israelischer Fußgänger einen Palästinenser erschossen, der versucht habe, auf ihn einzustechen, teilte das Militär mit.

Ebenfalls in Hebron wurde eine Palästinenserin von einer israelischen Soldatin erschossen, nachdem sie von ihr mit einem Messer attackiert wurde. Alle Angreifer waren in jugendlichem Alter. Ein weiterer Mann wurde am Grenzübergang in Kalandija zunächst von einem Beamten angeschossen; als der Palästinenser einen weiteren Angriffsversuch unternommen habe, habe er ihn getötet, sagte Polizeisprecherin Luba Samri.

Zwei der drei Attacken ereigneten sich in Hebron im Westjordanland, wo 500 jüdische Siedler abgeschottet unter 200.000 Palästinensern leben. Bei dem ersten Angriff ging nach Armeeangaben ein junger Palästinenser mit einem Messer auf einen Siedler los. Der Siedler zog eine Pistole und erschoss den jungen Mann. Nach Angaben palästinensischer Sicherheitskräfte war der Attentäter 18 Jahre alt.

Einige Stunden später erschoss eine israelische Soldatin in Hebron eine 16-jährige Palästinenserin, die mit einem Messer auf sie losgegangen war. Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurde die Soldatin leicht verletzt.

In Ost-Jerusalem griff ein Palästinenser, der im jüdischen Viertel Armon Hanatziv nach seinem Ausweis gefragt wurde, einen israelischen Soldaten mit einem Messer an. Er wurde nach Polizeiangaben von anderen Soldaten erschossen. Der Angreifer war ebenfalls erst 16 Jahre alt und stammte aus dem benachbarten Palästinenserviertel Dschabal Mukaber.

Seit Beginn der jüngsten Gewaltwelle Mitte September starben acht Israelis bei Angriffen von Palästinensern, während 39 Palästinenser erschossen wurden. 18 von ihnen waren nach israelischen Angaben Angreifer, die anderen starben bei Zusammenstößen zwischen gewalttätigen Demonstranten und israelischen Soldaten. Die meisten Angriffe wurden von Palästinensern ausgeführt, die keine bekannten Verbindungen zu militanten Gruppen haben. Die täglichen Attacken verstärken die Befürchtungen, die Region stehe am Rande neuer schwerer Kämpfe.

Die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern haben sich in den vergangenen Wochen verstärkt. Die Palästinenser befürchten unter anderem, dass Israel den Status quo auf dem Tempelberg zugunsten von Juden verändern will. Die Anhöhe, auf der sich die Al-Aqsa-Moschee befindet, ist Juden und Muslimen heilig. Muslimen gilt sie als der Ort, von dem ihr Prophet Mohammed in den Himmel auffuhr. Israel hat jedoch erklärt, es wolle den jetzigen Zustand beibehalten.

USA wollen Eskalation der Gewalt verhindern

Die USA verstärkten unterdessen ihre Anstrengungen für eine Deeskalation. US-Außenminister John Kerry telefonierte am Freitag mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, wie ein US-Diplomat mitteilte.

Kerry wird Netanjahu voraussichtlich nächste Woche in Berlin treffen. Der israelische US-Botschafter Ron Dermer sagte dem Nachrichtensender CNN, Kerry wolle mit Netanjahu über die eskalierende Gewalt in Israel und den Palästinensergebieten sprechen. Da sich Netanjahu kommende Woche zu einem Besuch in Berlin aufhalte, werde Kerry in die deutsche Hauptstadt reisen, um den israelischen Ministerpräsidenten zu treffen. Netanjahu wird am Mittwoch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) empfangen.

Auch US-Präsident Barack Obama zeigte sich sehr beunruhigt über die jüngste Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern. Er rief Netanjahu und Abbas auf, auf Äußerungen zu verzichten, "die Gewalt oder Wut oder Missverständnisse nähren könnten". Israel habe das Recht, seine Bürger vor Messerangriffen radikaler Palästinenser zu schützen.