Mehrere Tausend Menschen haben in Tel Aviv für eine Gesprächslösung im israelisch-palästinensischen Konflikt demonstriert. Nach israelischen Medienangaben kritisierten die Protestierenden auch die Politik der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Zu der Kundgebung auf dem Rabin-Platz fanden sich nach Angaben der Organisation Peace Now rund 6.000 Menschen ein. Sie riefen im Chor "Juden und Araber wollen sich nicht hassen" und "Israel, Palästina, zwei Staaten für zwei Völker".

Netanjahu bekräftigte, dass Israel den Status quo für den Tempelberg in Jerusalem respektieren werde. "Israel wird weiterhin seine längjährige Politik durchsetzen: Muslime beten auf dem Tempelberg, Nichtmuslime besuchen den Tempelberg", hieß es in einer Mitteilung des Amtes des Ministerpräsidenten. Zuvor hatte US-Außenminister John Kerry nach einem Treffen mit Jordaniens König Abdullah II. und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Amman gesagt, es sei eine 24-stündige Videoüberwachung des Geländes vereinbart worden.

Mit dem Treffen in der jordanischen Hauptstadt sollte versucht werden, die Spannungen um den Tempelberg zu reduzieren, die seit Wochen in Israel und den Palästinensergebieten zu Unruhen führen. Diese entzündeten sich am Streit um die Nutzungsrechte des Geländes. Das Hochplateau in der Altstadt von Jerusalem, auf dem die Al-Aksa-Moschee und der Felsendom liegen, wird von Muslimen als Haram al-Scharif und von Juden als Ort des zweiten jüdischen Tempels verehrt.

Netanjahu fordert Rückkehr zur Normalität

Die Palästinenser verdächtigen die israelische Regierung, die bisherige Regelung zur Nutzung des Tempelbergs verändern zu wollen, wonach Juden das Gelände zwar besuchen, dort aber nicht beten dürfen. Israel dementierte dies wiederholt. Netanjahu erneuerte nun sein Versprechen, an der bisherigen Regelung festzuhalten. Zudem sprach er sich für eine verstärkte Koordination mit der jordanischen Wakf-Stiftung aus, die für die Verwaltung der Al-Aksa-Moschee verantwortlich ist.

"Wir unterstützen den Ruf, die Ruhe sofort wiederherzustellen und alle erforderlichen Schritte zu unternehmen, damit die Gewalt aufhört, provokative Handlungen vermieden werden, und die Situation zur Normalität zurückkehrt, um die Aussicht auf Frieden zu befördern", erklärte Netanjahu. Er hatte am Donnerstag in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Kerry über die aktuellen Unruhen gesprochen, sich dabei aber unnachgiebig gezeigt.

Netanjahu erwähnte in seiner Erklärung die laut Kerry geplante Videoüberwachung des Tempelbergs nicht. Der US-Außenminister hatte in Amman verkündet, dass Netanjahu dem "exzellenten Vorschlag" des jordanischen Königs Abdullah II. zugestimmt habe, das Gelände rund um die Uhr per Kamera zu überwachen. Dies werde für "umfassende Sichtbarkeit und Transparenz" sorgen und "jeden davon abhalten, die Unverletzlichkeit der heiligen Stätten zu stören", sagte Kerry.