Das Pentagon halte es für wichtig, sich mit den Konsequenzen des tragischen Vorfalls zu befassen, sagte Peter Cook, Sprecher des US-Verteidigungsministeriums. Ein Schritt seien "Kondolenz-Zahlungen" für die zivilen Opfer und ihre Angehörigen. Zur möglichen Höhe machte er keine Angaben, sondern sprach lediglich von "angemessenen" Zahlungen in Abstimmung mit den Betroffenen. Darüber hinaus stellte der Pentagon-Sprecher auch Geld für den Wiederaufbau des Krankenhauses in Aussicht. Die Mittel für Entschädigungen kommen demnach aus einem Notfall-Topf des Militärs. Wenn erforderlich, werde sich die US-Regierung beim Kongress eine zusätzliche Genehmigung einholen.

Bei dem nach US-Angaben versehentlichen Angriff auf das Krankenhaus der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) waren 22 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. MSF spricht von einem Kriegsverbrechen und fordert eine internationale unabhängige Untersuchung. Der US-Kommandeur der internationalen Truppen in Afghanistan, John Campbell, führte den Luftangriff auf einen Fehler in der Kommandokette zurück.

Gründliche Untersuchung versprochen

US-Präsident Barack Obama hatte sich bei der Hilfsorganisation für die Bombardierung ihres Krankenhauses entschuldigt. Zudem hatte Obama mit seinem afghanischen Kollegen Aschraf Ghani telefoniert und sich für eine "vollständige und transparente" Untersuchung der "versehentlichen" Bombardierung des Krankenhauses eingesetzt. Nach US-Angaben erfolgte der Angriff auf Anforderung der afghanischen Streitkräfte, die unter Beschuss von Taliban-Kämpfern gestanden hätten. Dabei seien "mehrere Zivilisten aus Versehen getroffen" worden.

Drei Untersuchungen laufen bereits: eine der US-Armee, eine der afghanischen Behörden und eine der Nato. Nach Angaben der Hilfsorganisation waren die afghanischen und die US-Streitkräfte über die GPS-Koordinaten des Krankenhauses informiert, das seit vier Jahren in Betrieb war. Es handelte sich um die einzige Klinik im Nordosten Afghanistans, die schwere Kriegsverletzungen behandeln konnte.