In den Regierungsverhandlungen im Bürgerkriegsland Libyen gibt es offenbar einen Durchbruch. Nach Gesprächen im marokkanischen Skhirat verkündete der UN-Sondervermittler Bernardino León eine Einheitsregierung für das Bürgerkriegsland. Als neuer Regierungschef werde demnach Fajes Sarradsch nominiert.

Laut libyschen Medien ist der 55-Jährige gelernter Architekt und Abgeordneter des international anerkannten Parlaments in Tobruk. Als einen der Stellvertreter nannte UN-Vermittler León den ehemaligen Kurzzeitregierungschef Ahmed Maitieg aus Misrata.

Vier Jahre nach dem Sturz des Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi kämpfen in Libyen schwer bewaffnete Milizen um die Macht. Bislang standen sich in dem ölreichen Land eine islamistische Regierung in Tripolis und eine international anerkannte Regierung im ostlibyschen Tobruk gegenüber.

Liste mit Namen für Einheitsregierung

Terrorgruppen nutzen das Machtvakuum aus. Das Chaos erleichtert es Migranten und Flüchtlingen, auf Schmugglerbooten von der libyschen Küste aus über das Mittelmeer in Richtung Europa abzulegen. Viele sterben auf der gefährlichen Überfahrt.

León zufolge konnte bei den Gesprächen in Marokko eine Liste mit Namen von Kandidaten für Posten in der Einheitsregierung erarbeitet werden. Drei Stellvertreter von Sarradsch sollen den Osten, Westen und Süden des Landes repräsentieren. Komplettiert werden soll der präsidiale Rat durch zwei Minister.

"Wir glauben, diese Liste kann funktionieren", sagte León. "Alle von ihnen werden als ein Team arbeiten. Das war keine leichte Aufgabe." Einer der vorgeschlagenen Stellvertreter, Mussa al-Kuni, sagte: "Der härteste Teil hat gerade erst begonnen." Die Richterin Naima Jibril lobte, dass auf der Liste zwei Frauen für Ministerposten vorgeschlagen worden seien. "Libysche Frauen sind dazu fähig, erfolgreiche Rollen in der künftigen Regierung zu spielen."

Die internationale Gemeinschaft drängt die libyschen Konfliktparteien, die neue Regierung bis zum 20. Oktober zu bilden. Dann läuft das Mandat des Parlaments in Tobruk ab. Zuletzt hatten auch US-Außenminister John Kerry und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon Druck auf die Konfliktparteien ausgeübt. Jetzt müssen die Fraktionen in Libyen selbst den Kandidaten noch zustimmen. In der Vergangenheit stießen die Vorschläge der Verhandlungsrunde jedoch auch auf Widerstand.

Damit hören die Herausforderungen für eine neue Einheitsregierung nicht auf. Die Wirtschaft des Landes befindet sich nahe dem Kollaps, eine Reihe von Milizen sind im Land aktiv und vielen Libyern fehlt es an der Grundversorgung. Laut UN-Schätzungen benötigen 2,44 Millionen Menschen in dem Land – fast 40 Prozent der libyschen Bevölkerung – Schutz und humanitäre Hilfe.