Der Flüchtlingsandrang bringt Österreich nach den Worten von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) an seine Grenzen. "Wir sind am Limit", sagte die Politikerin der Kronen Zeitung. 6.500 Flüchtlinge reisten jeden Tag nach Österreich ein, Deutschland nehme aber nur 4.500 Personen auf. "Deutschland übernimmt aktuell einfach zu wenig Flüchtlinge", so Mikl-Leitner.

Sollte die EU-Außengrenze in Griechenland nicht rasch geschützt werden, sei ein Zaunbau an Sloweniens Grenze zu Kroatien "überlegenswert". Das Verhalten der flüchtenden Menschen werde außerdem zusehends panisch, sagte Mikl-Leitner. "Man muss mit Gewalt rechnen – und unsere Polizei wird mit Gegenmaßnahmen reagieren müssen."

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) warnt in dem Blatt vor einem "leisen Zerfall der EU", sollte keine gemeinsame Lösung gefunden werden. Dass jedes Land zum Schutz eine Mauer baue, dürfe keine Alternative sein.

Juncker verlangt engere Zusammenarbeit

Auf Einladung von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kommen am Sonntag die Staats- und Regierungschefs von rund einem Dutzend Länder zusammen, die besonders vom gegenwärtigen Flüchtlingsandrang betroffen sind. Anlass sind die teils chaotischen Zustände entlang der sogenannten Balkan-Route, auf der Tag für Tag Tausende Menschen in Richtung Mittel- und Nordeuropa ziehen. Dabei soll es um eine bessere Abstimmung der Grenzkontrollen und um humanitäre Hilfe für die Flüchtlinge gehen.

Im Vorfeld der Konferenz, an der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnehmen wird, hatte Juncker an die Staaten appelliert, in der Flüchtlingsfrage enger zusammenzuarbeiten. "Wir brauchen mehr Zusammenarbeit und eine engere Absprache zwischen den Ländern in der Region, um der Situation der letzten Tage Herr zu werden", sagte er der Funke Mediengruppe.