Es fehlt aber auch nicht an Priestern, die offen gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aufrufen. "Wenn sie zu uns kommen, werden sie wie wir leben wollen. Sie werden Geld fordern und dass man ihnen Moscheen baut", sagte der Pfarrer Jan Gacek aus Legnica, der seit Jahren für seine Wohltätigkeitarbeit bekannt ist und der keine Muslime in Polen haben will.

Auch die polnische Ministerpräsidentin Ewa Kopacz wollte bis vor Kurzem nichts davon wissen, Flüchtlinge ins Land zu lassen. Erst nach massivem Druck aus Berlin und Brüssel vor dem Flüchtlingsgipfel vor zwei Wochen erklärte sie sich dann doch dazu bereit.

Und nun könnte sie das politisch viel kosten. Denn in drei Wochen wird in Polen ein neues Parlament gewählt, und die Chancen für die regierende liberal-konservative Bürgerplattform, zum dritten Mal hintereinander die Wahl zu gewinnen, standen schon vorher schlecht. Durch die unpopuläre Entscheidung von Kopacz haben sie sich noch weiter verschlechtert. Als Siegerin mit mehr als zehn Prozent Vorsprung wird die national-konservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) von Jarosław Kaczyński gehandelt, die höchstwahrscheinlich nach acht Jahren wieder an die Macht kommen wird. Und die am liebsten die Grenze dicht machen würde.

Kaczyński setzt im Wahlkampf ganz auf das Thema, das den Polen gerade am meisten Angst macht: die Ankunft der Muslime. Er scheut auch nicht davor zurück, Halb- oder Unwahrheiten zu verbreiten. So stellte er im Parlament kürzlich die Aufnahme der Flüchtlinge als eine nationale Katastrophe dar. "Seht doch was in Europa los ist", sagte er: "In Italien wurden katholische Kirchen wegen den vielen muslimischen Flüchtlingen zu Toiletten umgewandelt. Und in Schweden gibt es 54 Bezirke, wo nur das Scharia-Recht gilt. Da haben die schwedischen Behörden nichts zu suchen." Die schwedische Botschaft beeilte sich daraufhin klarzustellen, dass in ganz Schweden das schwedische Recht gelte. 

Die konservativen Medien folgen bereitwillig dem Ton von Kaczyński. Wie er verbreiten sie die Ansicht, es kämen nicht Flüchtlinge, sondern Migranten die sich einfach ein besseres Leben wünschten und auf Sozialhilfe lauerten. Dabei entgeht ihnen, dass Polen längst nicht das Land ist, nach dem sich Migranten sehnen. Laut Eurostat leben in Polen gerade einmal 45.000 Ausländer, was 0,1 Prozent der gesamten Bevölkerung entspricht.

Dass Polen kein gewünschtes Ziel ist, zeigt auch das Beispiel der 60 katholischen Familien aus Syrien, die von einigen Monaten angekommen sind. Mehr als die Hälfte hat das Land schnell wieder verlassen. Sie leben jetzt in Deutschland.