Der syrische Machthaber Baschar al-Assad sieht in seiner Koalition mit Russland den einzigen Weg für eine Lösung des blutigen Konflikts. "Diese Allianz sollte erfolgreich sein, ansonsten wird Zerstörung das Schicksal der gesamten Region sein, nicht nur das von ein oder zwei Ländern", sagte Assad dem iranischen Sender Chabar TV. Das US-geführte Militärbündnis habe mit seinen Einsätzen in Syrienkeine Ergebnisse erzielt.

Wenn sein Land mit Russland, dem Iran und dem Irak gemeinsam gegen Terrorismus kämpfe, werde es Erfolge geben, sagte Assad. Als "Terroristen" bezeichnete er alle Aufständischen in seinem Land, auch die gemäßigten Kräfte, die vom Westen unterstützt werden. Er verlangte den Stopp der Unterstützung für die syrische Opposition aus dem Ausland.

Ungeachtet der wachsenden Kritik aus dem Westen haben russische Kampfjets am Wochenende wieder Ziele in Syrien angegriffen. Nach Angaben der russischen Armee wurden Stellungen der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in den Provinzen Idlib im Nordwesten und Rakka im Osten angegriffen. Vier Kommandoposten mit bunkerbrechenden Bomben seien zerstört worden, hieß es in der Erklärung des Verteidigungsministeriums in Moskau. Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen oppositionellen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte jedoch galten die russischen Bombardements am Sonntag Zielen im Westen Syriens – und damit womöglich nicht dem IS.

Der Beobachtungsstelle zufolge sind seit Beginn des russischen Einsatzes am Mittwoch mindestens 39 Zivilisten getötet worden. Zudem seien 14 Kämpfer, vor allem des IS, getötet worden. Rebellenvertreter teilten mit, Russland habe mindestens vier Gruppen getroffen, die von anderen Staaten beim Kampf gegen Assad militärisch unterstützt worden seien. Die Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan nannte die russischen Angriffe "vollkommen inakzeptabel". Das Eingreifen Russlands in den syrischen Bürgerkrieg könne zur Isolation Moskaus führen, warnte er. "Russland begeht gerade einen ernsthaften Fehler", sagte er. Die Türkei sei über den Schritt Russlands betrübt und beunruhigt.

Der britische Premierminister David Cameron warf Russlands Präsident Wladimir Putin im britischen Rundfunk BBC vor, er unterstütze "den Schlächter" Assad, weil er vor allem moderate Assad-Gegner angreife. "Das wird die Region instabiler machen, es wird zu einer weiteren Radikalisierung und mehr Terror führen", sagte er. Auch US-Präsident Barack Obama hatte Russland vorgeworfen, den IS zu stärken.

Kurden fordern USA und Russland zur Zusammenarbeit auf

Die Kurden im Irak haben Russland und die USA zur Zusammenarbeit gegen den IS aufgefordert. Es könnten bessere Ergebnisse erzielt werden, wenn die US-geführte Koalition und Russland gemeinsam vorgingen, sagte der Präsident der Kurdenregion, Massud Barsani. "Unsere Region wird Russland willkommen heißen, wenn es unsere Peschmerga-Miliz im Kampf gegen den IS unterstützt."

Der syrische Außenminister Walid al-Muallim hatte am Freitag die Bereitschaft seiner Regierung bekundet, an Friedensgesprächen unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen teilzunehmen. Bei der UN-Generaldebatte in New York sagte er, Damaskus wolle sich an den vom UN-Syrien-Gesandten Staffan de Mistura vorgeschlagenen Gesprächen beteiligen. Diese seien aber "vorläufig" und "nicht bindend". Der Plan sieht vor, vier Arbeitsgruppen zu bilden, die einen Weg zu Friedensverhandlungen erarbeiten sollen.

Merkel fordert Gespräche mit dem Regime

Kanzlerin Merkel sagte im Deutschlandfunk: "Um zu einer politischen Lösung zu kommen, brauche ich sowohl die Vertreter der syrischen Opposition als auch die Vertreter der jetzt im Augenblick in Damaskus Herrschenden und andere dazu." Sie hoffe, "dass ein solcher Prozess jetzt in Gang kommt". Und Russland und die USA könnten dabei "eine wichtige Rolle spielen", ebenso Saudi-Arabien und der Iran. "Aber auch Deutschland, Frankreich, Großbritannien – wir Europäer haben da auch unsere Verantwortung."

Frankreichs Staatspräsident François Hollande warnte, der syrische Bürgerkrieg könne in einen Konfessionskrieg zwischen Schiiten und Sunniten eskalieren. "Das wäre ein Krieg nicht nur auf syrischer Ebene, sondern auf Ebene der ganzen Region", warnte er in einem Interview mit dem Sender Arte, das am Sonntagabend ausgestrahlt werden soll.

In dem seit 2011 währenden Bürgerkrieg sind mehr als 250.000 Menschen gestorben. Rund zwölf Millionen Syrer haben ihre Heimat verlassen. Der Westen will, dass Assad die Macht abgibt. Russland stützt den syrischen Präsidenten dagegen.

Videografik - Die russisch-syrischen Beziehungen Während Russland am syrischen Machthaber festhält, fordert der Westen seine Ablösung. Dieses Video erläutert die Hintergründe der engen russisch-syrischen Beziehungen.