Syriens Machthaber Baschar al-Assad hat Moskau besucht. Dort sprach er mit Russlands Präsident Wladimir Putin. Assad dankte ihm laut Regierungsangaben für den Militäreinsatz in seinem Land. Am Mittwoch war Assad nach Angaben eines russischen Regierungssprechers bereits wieder nach Damaskus zurückgeflogen. Es war die erste Auslandsreise, die er seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien 2011 unternommen hatte.

Das russische Eingreifen habe geholfen, "den Terrorismus" einzudämmen, sagte Assad laut einer Übersetzung des Kreml. Die "Terroristen" hätten andernfalls weitere Gebiete des Landes eingenommen. Die syrische Führung bezeichnet alle Aufständischen im Land als Terroristen. "Natürlich müssen auf das militärische Vorgehen politische Schritte folgen", sagte Assad. Daran sollte nicht nur die Regierung, sondern auch das Volk teilhaben.

Putin sagte, er hoffe, dass nach militärischen Erfolgen auch Schritte in Richtung einer politischen Lösung in Syrien folgen werden. "Das militärische Vorgehen wird die Grundlage für eine langfristige Lösung legen." Daran sollten alle politischen, ethnischen und religiösen Gruppen im Land beteiligt werden. Das syrische Volk habe, beinahe auf sich allein gestellt, gegen militante Gruppen standgehalten. Die syrische Armee habe zuletzt deutliche Erfolge erzielt.

Nach dem Gespräch im Kreml fand ein offizielles Abendessen statt. Neben Assad und Putin waren auch die russischen Außen- und Verteidigungsminister, Sergej Lawrow und Sergej Schoigu, sowie der Chef des russischen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew, und der Chef des Geheimdienstes SVR, Michail Fradkow, anwesend.

Die Bundesregierung reagierte auf das Treffen zurückhaltend. Die Art der Kriegsführung der syrischen Armee sei in jeder Hinsicht völkerrechtswidrig, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer. Es sei zu hoffen, dass dies bei Assads Visite in Russland auch zur Sprache gekommen sei.

Erdoğan telefoniert mit Putin

Der syrische Bürgerkrieg war am Mittwoch auch Thema eines Telefonats zwischen dem türkischen Präsident Recep Tayyip Erdoğan und Wladimir Putin. Darin äußerte sich Erdoğan besorgt über die Luftangriffe der russischen Luftwaffe in Syrien. Diese würden in der nordsyrischen Stadt Aleppo dazu führen, dass sich die Zahl der Flüchtlinge weiter erhöhen werde. Beide Präsidenten vereinbarten laut Medienberichten, das Thema auf dem G20-Gipfel am 15. und 16. November in Antalya zu erörtern. 

Russland und die Türkei verfolgen im Syrien-Konflikt bislang gegensätzliche Ziele. Während Russland Assad unterstützt, dringt die Türkei auf eine Absetzung des Präsidenten. Mittlerweile gesteht die Regierung in Ankara aber zu, dass Assad nach einem Ende des Kriegs für eine Übergangszeit im Amt bleiben könne.

Putin gilt als wichtigster Unterstützer Assads. Russland hatte Ende September mit Luftangriffen aktiv in den syrischen Bürgerkrieg eingegriffen, um nach eigener Darstellung die Terrormiliz "Islamischer Staat" zurückzudrängen. Die USA und andere westliche Staaten werfen Russland jedoch vor, vor allem vom Westen unterstützte gemäßigte Rebellen in dem Konflikt anzugreifen, um Assad zu stärken.

Der Konflikt in Syrien hatte im März 2011 zunächst mit friedlichen Protesten begonnen, sich jedoch rasch zu einem Bürgerkrieg ausgeweitet. Inzwischen sind zahlreiche Akteure in den Konflikt verwickelt, die Lage ist unübersichtlich. In dem Krieg wurden bereits mehr als 250.000 Menschen getötet, vier Millionen verließen nach UN-Angaben das Land, sieben Millionen wurden innerhalb der syrischen Grenzen vertrieben.