Die Vereinigte Staaten haben die Entsendung einer bewaffneten Spezialeinheit nach Syrien als Weiterführung ihres Kurses verteidigt. "An der Mission hat sich nichts geändert", sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Josh Earnest, im Weißen Haus. Bodeneinsätze von Soldaten habe es vorher schon gegeben. Außenamtssprecher John Kirby bestätigte, die bisherigen Bemühungen in Syrien würden lediglich "verstärkt". Es ist das erste Mal seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011, dass US-Soldaten offen am Boden in Syrien arbeiten werden.

Obama habe bereits im September 2014 gesagt, dass US-Soldaten in der Region dabei helfen würden, Kämpfer auszubilden und zu beraten, sagte Earnest. Auch Einsätze zur Befreiung amerikanischer Geiseln oder zur Tötung hochrangiger Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf syrischem Boden habe es schon gegeben.

"Ein nützliches Pflaster"

"Eine Handvoll US-Spezialeinheiten nach Syrien zu entsenden wird die Lage nicht bedeutend ändern", sagte auch der Ex-Sonderbeauftragte für Syrien im US-Außenministerium, Frederic Hof. "Es ist eine Art Pflaster, aber möglicherweise ein nützliches." Faysal Itani vom Atlantic Council sprach hingegen trotz der geringen Truppenzahl von einem "maßgeblichen Strategiewechsel".

Obama hatte den Einsatz von weniger als 50 US-Soldaten in Syrien angekündigt. Es handele sich nicht um einen Kampfeinsatz. Die Streitkräfte sollen den gemäßigten Oppositionskämpfern vor Ort Rat und Unterstützung bieten, sagte Sprecher Josh Earnest.

Obendrein ordnete er die Verlegung einer nicht genannten Zahl von Kampfflugzeugen des Typs A-10 und F-15 an den türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik an. In Abstimmung mit der irakischen Regierung solle zudem ein Einsatzkommando gebildet werden, um Angriffe auf Anführer des IS und dessen Netzwerk zu koordinieren.

Hillary Clinton stellt sich hinter Entsendung

Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton ließ über den Sprecher ihres Wahlkampfteams, Nick Merrill, mitteilen, sie unterstütze die laufenden diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Syrien-Konflikts. Sie lehne es jedoch ab, wenn die USA in einen größeren Bodenkrieg im Nahen Osten eintreten würden, um den Aufstieg von islamistischen Milizen zu bekämpfen, sagte Merrill weiter.

In ihrer Zeit als US-Außenministerin hatte Clinton eine aggressivere Rolle ihres Landes im Syrien-Konflikt befürwortet. Kürzlich hatte sie sich für eine Flugverbotszone in der Region stark gemacht – ein Schritt, gegen den sich Obamas Regierung aussprach.

Sanders befürchtet "immerwährende Kriegsführung"

Clintons Hauptkonkurrent um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, Bernie Sanders, blieb bei seinem Standpunkt, dass die syrische Krise nur auf diplomatischem und nicht auf militärischem Wege gelöst werden könne. Durch einen Sprecher ließ er mitteilen, er sorge sich darum, dass die USA in "den Sumpf des Syrischen Bürgerkrieges" hineingezogen werde, der zu einer "immerwährenden Kriegsführung in der Region" führen könne.

In Wien fanden unterdessen hochrangige Verhandlungen statt: Dort starteten Vertreter von 17 Ländern sowie der EU und der UN den bisher wohl ernsthaftesten Versuch, den Syrien-Konflikt mit politischen Mitteln zu beenden. Angestrebt werden Wahlen und ein möglichst weitreichender Waffenstillstand. Der Dialog soll in zwei Wochen fortgesetzt werden.