Belarus' umstrittener Präsident Alexander Lukaschenko steht nach 21 Jahren autoritärer Herrschaft vor seiner fünften Amtszeit. Erste Prognosen des staatlichen Soziologie-Instituts sagten dem 61-Jährigen bei der Präsidentschaftswahl am Sonntag einen Sieg mit 83 Prozent aller Stimmen voraus. 

Der von vielen als "letzter Diktator Europas" bezeichnete Lukaschenko hatte nach der Niederschlagung von Protesten und der Festnahme mehrerer Gegner nach der letzten Wahl 2010 diesmal keine ernstzunehmenden Gegner. Teile der Opposition boykottierten die Wahl. Nach Schließung der Wahllokale demonstrierten rund 100 Menschen bei einer Kundgebung gegen die ihrer Meinung nach manipulierten Wahlen. 

"Lukaschenko selbst bestimmte die Wahl, bestimmte seine Gegner und bestimmte die Prozentzahl, die er bekommen würde", sagte Regierungsgegner Wadim Wenjarski. 

Bei seiner Stimmabgabe hatte Lukaschenko betont, für ihn wäre es ein schlechtes Zeichen, wenn er unter die 79,65 Prozent von 2010 fiele. "Das würde bedeuten, dass die Leute anfangen, sich wegzubewegen, und mit einigen meiner politischen Entscheidungen unzufrieden sind." 

Dieses Ziel erreichte er den staatlichen Prognosen zufolge denn auch. Die Wahlbeteiligung lag nach offiziellen Angaben bis 18 Uhr bereits bei 82 Prozent. Unabhängige Zahlen lagen aber nicht vor. 

Bevor die Wahllokale öffneten, meldete die Zentrale Wahlkommission der früheren Sowjetrepublik, 36 Prozent der Wähler hätten ihre Stimmen bereits vorab abgegeben. Dies war bis zu fünf Tage vor dem Wahltermin am Sonntag möglich. Die Opposition sieht darin allerdings ein ideales Instrument für Wahlbetrug.

Keine Überwachung der Wahlurnen

Es sei sehr ungewöhnlich, dass die Wahl an so vielen Tagen abgehalten werde, sagte James Walsh, der Leiter einer Delegation der Parlamentarischen Versammlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Eine besondere Sorge gelte der Sicherheit der Wahlurnen. "Fünf Nächte lang hat niemand die Wahlurnen bewacht, und die Behörden konnten alles damit machen, was sie wollten", sagte auch der Parteichef der oppositionellen Vereinigten Bürgerpartei Belarus', Anatoli Lebedko.

Lukaschenkos drei Gegenkandidaten waren die Vorsitzenden von zwei regierungstreuen Parteien, Sergej Gaidukewitsch und Nikolai Ulachowitsch und die wenig bekannte Oppositionelle Tatjana Korotkewitsch. Bekanntere Gegner Lukaschenkos durften entweder nicht antreten oder boykottierten die Wahl. 

Lukaschenko war früher Direktor eines landwirtschaftlichen Großbetriebes und kam 1994 als Kämpfer gegen die Korruption ins Präsidentenamt. Seitdem regiert er mit harter Hand. Er verweigert sich Wirtschaftsreformen und hält die Betriebe des Landes weitgehend unter Staatskontrolle.

Diese stark am sowjetischen Vorbild orientierte Politik könnte Belarus auf lange Sicht schaden, kurzfristig sorgt sie aber dafür, dass Rentner genug zu Essen haben und die Mitarbeiter verlustbringender und unmoderner Unternehmen nicht entlassen werden.