Das Auswärtige Amt hat eine interne Analyse zur "asyl- und abschieberelevanten Lage in Afghanistan" erstellt. Die Situation wird als sehr kritisch dargestellt. Der Radiosender NDR Info zitierte aus dem vertraulichen Papier, das als Entscheidungshilfe für Gerichte und Behörden gedacht ist. Der Bericht befasst sich auf 28 Seiten mit der Sicherheitslage im Land und vor allem mit der Umsetzung von Grund- und Menschenrechten.  

Die Justiz funktioniere nur sehr eingeschränkt, die Regierungsführung sei weiterhin mangelhaft und die Entwicklung Afghanistans durch die weit verbreitete Korruption gehemmt. Die Sicherheitslage ist laut der Analyse regional sehr unterschiedlich, sei aber weiterhin volatil.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) drängt seit Ende Oktober darauf, afghanische Flüchtlinge verstärkt in ihre Heimat zurückzuschicken. Das Auswärtige Amt wollte den Bericht mit einem Hinweis auf seine Vertraulichkeit nicht kommentieren.

Besonders negativ beurteilt die Analyse die Lage von Frauen und Kindern. Die Rechte von Frauen seien trotz erheblicher Verbesserungen seit 2001 schwer zu realisieren. "Traditionell diskriminierende Praktiken und Menschenrechtsverletzungen gegen Frauen existieren insbesondere in ländlichen und abgelegenen Regionen weiter. (...) Sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt ist weit verbreitet", zitiert der NDR.

Gewalttaten gegen Frauen und Mädchen fänden vor allem in der Familie statt, aber auch durch Kollegen am Arbeitsplatz, etwa gegen Polizistinnen. Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen sei nach wie vor ein großes Problem. Oft würden Minderjährige für afghanische Sicherheitskräfte rekrutiert, "um sich an ihnen sexuell zu vergehen".

Die Zentralregierung könne den Schutz der Bevölkerung vielfach nicht garantieren. "Die größte Bedrohung für die Bürger Afghanistans geht von lokalen Machthabern und Kommandeuren aus", zitiert der NDR. Die Zahl ziviler Opfer durch Anschläge und Kämpfe liege allein im ersten Halbjahr bei 1.600, das ist der höchste Wert seit dem Sturz der Taliban im Jahr 2001.