Tausende Afghanen haben in der Hauptstadt Kabul gegen die Taliban und die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) demonstriert. Sie wollten die Regierung zu einer Reaktion auf erneute Morde an Angehörigen der Hasara-Minderheit bewegen. Die Demonstranten werfen der Regierung vor, die Augen vor den Verbrechen der Taliban zu verschließen. Sie forderten, dass Präsident Aschraf Ghani und Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah abdanken sollten. Diese seien nicht in der Lage, die Menschen zu beschützen.

Vergangene Woche hatten Extremisten sieben Hasara enthauptet, darunter zwei Frauen und ein neunjähriges Mädchen. Die Demonstranten trugen die sieben Särge mehr als zehn Kilometer durch die Stadt in Richtung Präsidentenpalast. Als sie in der Nähe des Palastes versuchten, ein Gebäude zu stürmen, gaben Polizisten Warnschüsse ab.  

Die Morde geschahen in der Provinz Zabul, die weitgehend unter der Kontrolle radikal-islamischer Gruppen ist. Rivalisierende Taliban-Verbände und der IS bekämpfen sich dort gegenseitig. Wer für die Morde verantwortlich ist, wurde nicht bekannt.

Rund drei Millionen Afghanen zählen zur schiitischen Minderheit der Hasara, die in dem Land seit Jahrzehnten verfolgt wird. In den späten 1990er Jahren wurden Tausende Hasara von den überwiegend paschtunischen sunnitischen Taliban ermordet. Im Nachbarland Pakistan sind Hasara immer wieder Ziel gewaltsamer Übergriffe durch sunnitische Extremisten.

Afghanische Regierung will Frauen stärken

Der UN-Gesandte für Afghanistan, Nicholas Haysom, sagte, die Enthauptungen in Zabul könnten als Kriegsverbrechen eingestuft werden. Präsident Ghani hat die Morde verurteilt und Aufklärung versprochen. "Ich habe den afghanischen Sicherheitskräften angeordnet, alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um Sicherheit für die Nation zu gewährleisten", sagte er im Fernsehen. Ghani versprach, die Feinde Afghanistans würden "für das Blut unseres Volkes bezahlen". Doch die Taten verstärken die Verunsicherung, die bei vielen Afghanen herrscht, nachdem die Taliban Ende September für kurze Zeit die Stadt Kundus im Norden des Landes unter ihre Kontrolle gebracht hatten.

Unter den Demonstranten waren viele Frauen, was für Afghanistan unüblich ist. Trotz gesetzlicher Gleichstellung können 80 Prozent aller afghanischen Frauen weder lesen noch schreiben, nur 29 Prozent sind voll berufstätig. Die afghanische Ministerin für Arbeit und Soziales, Nasrin Oryakhil, sagte im Entwicklungsausschuss des Bundestages in Berlin, Frauen dürften in Afghanistan häufig das Haus nicht verlassen und seien Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Die afghanische Regierung wolle deshalb die Frauen im Land künftig stärken.

Bis Mitte 2016 will sie einen Plan vorlegen. Die Regierung wolle den Frauen etwa eine Berufsausbildung ermöglichen, sagte Oryakhil. Ziel sei es, in fünf bis zehn Jahren rund zwei Millionen Frauen zu erreichen. Oryakhil bat die internationale Gemeinschaft um Unterstützung bei der Umsetzung des Plans.

Bundeswehr schickt laut Bericht mehr Soldaten nach Afghanistan

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich seit dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes 2014 massiv verschlechtert. Die Zahl der afghanischen Flüchtlinge in Deutschland stieg seither drastisch an. Die Bundesregierung will die Zahl der deutschen Soldaten in Afghanistan einem Bericht zufolge nun wieder aufstocken. Die Obergrenze solle im neuen Bundestagsmandat von 850 auf 980 Soldaten erhöht werden, berichtete der Militärblogger Thomas Wiegold auf seiner Internetseite unter Berufung auf Regierungskreise.

Alleiniger Auftrag der Truppe bleibe jedoch weiter die Beratung und Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte, eine Rückkehr zum Kampfeinsatz solle es nicht geben. Allerdings sollten die deutschen Soldaten die afghanischen Einheiten künftig auch unmittelbar im Einsatz beraten können. Dies war bisher nur eingeschränkt möglich.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren. Der Mandatsentwurf werde derzeit zwischen den Ministerien abgestimmt, sagte er.