Die Nato hat eine Vorentscheidung für eine stärkere Unterstützung der afghanischen Streitkräfte getroffen. Ein Bündnissprecher bestätigte, dass die Vertreter der Mitgliedstaaten einen als geheim eingestuften Bericht angenommen haben.

Damit soll unter anderem vereinbart werden, die Weitergabe von Aufklärungserkenntnissen an afghanische Sicherheitskräfte zu prüfen. So ließe sich möglicherweise verhindern, dass diese wie zuletzt in Kundus von Angriffen der radikalislamischen Taliban-Rebellen überrascht werden.

Ausbilder der Nato sollen zudem wieder verstärkt direkt in Krisenregionen eingesetzt werden. Sollten sie bei solchen Einsätzen in Gefahr geraten, dürfte das Bündnis sie im Notfall auch mit Luftangriffen gegen Angreifer schützen.

Kampfhandlungen nur zur Selbstverteidigung

Der Nato-Sprecher wollte sich zu Inhalten des Berichts nicht äußern. Er verwies darauf, dass sich die Außenminister der Bündnisstaaten Anfang Dezember bei einem Treffen in Brüssel mit ihm beschäftigen wollten.

Für die aktuelle Afghanistan-Mission Resolute Support waren zuletzt rund 13.000 Soldaten gemeldet. Sie sollen afghanische Sicherheitskräfte ausbilden und beraten. Kampfhandlungen sind lediglich im Rahmen der Selbstverteidigung erlaubt. Die Bundesregierung will nach einem Kabinettsbeschluss künftig bis zu 980 Soldaten für die Resolute Support-Mission stellen. Das sind 130 mehr als bislang. Eine substanzielle Ausweitung des Einsatzes lehnt Berlin allerdings ab.

Nach Einschätzung von Juristen wäre selbst die Weitergabe von Aufklärungsbildern oder Zieldaten für Angriffe auf Taliban-Stellungen nicht durch das Bundestagsmandat gedeckt. Mit dem Mandat für 2016 soll lediglich die Möglichkeit geschaffen werden, dass deutsche Soldaten afghanische Sicherheitskräfte künftig in Krisensituationen im ganzen Land beraten können. Bislang waren solche Einsätze auf Masar-i-Scharif, Bagram und Kabul begrenzt.

Als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 intervenierte ein US-geführtes Militärbündnis in Afghanistan, um die regierenden Taliban und das für die Anschläge verantwortliche Terrornetzwerk Al-Kaida zu bekämpfen. Nach dem Sturz der Taliban stationierte die Nato von Dezember 2001 an die International Security Assistance Force (Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe, Isaf) in Afghanistan. Deutschland beteiligte sich mit bis zu 5.350 Soldaten an dem Kampfeinsatz.