In einem abgelegenen australischen Haftlager für Asylsuchende toben Unruhen. Das Einwanderungsministerium in Canberra bestätigte, dass es eine "Störung" in dem Zentrum auf der Weihnachtsinsel im Indischen Ozean gebe. Man arbeite daran, die Lage einzudämmen. Es gebe Berichte über Schäden, verletzt worden sei aber niemand. Die Insel ist ein Außengebiet Australiens im Indischen Ozean.

Wie der Sender ABC berichtet, sollen die Flüchtlinge Zäune und Mauern eingerissen sowie Gebäude in Brand gesteckt haben. Wachmänner sollen das Gelände mittlerweile verlassen haben und nur noch um das Lager herumfahren. Der Sender stützt sich dabei auf Augenzeugenberichte aus dem Lager. Die australischen Flüchtlingslager sind in der Regel sehr abgeschirmt.

Die Unruhen sollen nach dem Tod eines kurdischen Flüchtlings ausgebrochen sein, der am Samstag von der Anlage geflohen war. Die Leiche des Mannes war am Sonntag am Fuß einer Klippe der Insel entdeckt worden. Die Todesursache ist unklar.

Der neuseeländische Abgeordnete Kelvin Davis, der die Weihnachtsinsel vor Kurzem besucht hatte, sagte, ein in dem Lager einsitzender Neuseeländer habe ihm berichtet, dass Asylsuchende das Zentrum übernommen hätten und die Wachmänner zurückgewichen seien.

"Sie haben Löcher in die Wände geschlagen, sodass sie nicht wirklich eingesperrt werden können, wenn sie umzingelt und zurück in ihre Zellen gesteckt werden", sagte Davis dem Sender ABC. Ian Rintoul, ein Sprecher der australischen Flüchtlingsorganisation Refugee Action Coalition, sagte, Feuer seien in einigen Teilen des Lagers gelegt worden.

Australien hat in den vergangenen Jahren eine harte Einwanderungspolitik verfolgt. Asylsuchende, die aus Indonesien mithilfe von Schmugglern illegal an den Küsten ankommen, werden auf der Weihnachtsinsel und in anderen abgelegenen Lagern in Nauru und Papua-Neuguinea inhaftiert. Ein Abkommen mit Kambodscha, das Flüchtlinge aufnehmen soll, entpuppt sich mehr und mehr als wirkungslos.