Ein weißer Polizist muss sich in Chicago wegen Mordes verantworten, weil er vor einem Jahr einen 17-jährigen Schwarzen mit 16 Schüssen getötet haben soll. Die Justiz erhob Anklage. Staatsanwältin Anita Alvarez verteidigte die lange Ermittlungszeit in dem Verfahren. Fälle mit Beteiligung von Polizisten seien juristisch sehr komplex, sagte sie.

Der 17-jährige Afroamerikaner war am 20. Oktober 2014 getötet worden. Von dem Einsatz gibt es ein Polizeivideo, das laut richterlicher Anordnung nun veröffentlicht werden muss. Es soll nach Angaben von Zeugen zeigen, wie der mit einem kleinen Messer bewaffnete Junge sich von den Polizisten wegbewegte, bevor der jetzt angeklagte Beamte aus etwa fünf Metern Entfernung schoss. Der Teenager soll mindestens zwei Mal in den Rücken getroffen worden sein.

Staatsanwältin Alvarez sagte, die bevorstehende Veröffentlichung des Videos habe sie veranlasst, die Anklage jetzt bekannt zu machen. Es gebe Sorge, dass die Bilder Gewalt auslösen könnten. Sie seien explizit und erschütternd, sagte die Staatsanwältin.

Seit mehr als einem Jahr gibt es wegen Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA  immer wieder Proteste. Bei einer Kundgebung in Minneapolis wurden am Montagabend fünf Menschen durch Schüsse verletzt. Die Polizei nahm am Dienstag zwei Tatverdächtige fest und fahndet nach weiteren weißen Männern.

Die Schießerei hatte sich ereignet, als Menschen eines 24-jährigen Afroamerikaners gedachten, der am 15. November von Polizeikugeln tödlich getroffen worden war. Der 24-jährige war wenige Tage später an den Folgen eines Kopfschusses gestorben. Seit dem Zwischenfall wird an der Polizeiwache im Norden von Minneapolis gegen Polizeigewalt protestiert.