Frankreichs Regierung will ab 2016 auch homosexuellen Männern erlauben, ihr Blut zu spenden. Die Aufhebung eines seit 1983 bestehenden Verbots sei "das Ende eines Tabus und einer Diskriminierung", sagte Gesundheitsministerin Marisol Touraine der Tageszeitung Le Monde. "Ab dem Frühjahr 2016 wird niemand mehr aufgrund seiner sexuellen Orientierung von der Blutspende ausgeschlossen." Damit erfüllen die regierenden Sozialisten ein Versprechen, das Präsident François Hollande in seinem Wahlkampf 2012 gegeben hatte.

"Blutspenden ist ein Akt der Großzügigkeit und des Bürgersinns, der nicht an eine sexuelle Orientierung geknüpft werden darf", sagte Touraine laut einem Bericht von Le Figaro. Sie kündigte aber an, dass die Erlaubnis in mehreren Etappen erteilt werde: Im ersten Schritt sollen nur jene Homosexuelle Blut spenden dürfen, die seit einem Jahr keine sexuelle Beziehung zu einem anderen Mann gehabt hätten. Blutplasma können Schwule dann spenden, "wenn sie seit vier Monaten in einer stabilen Beziehung leben und seitdem keinen anderen sexuellen Kontakt hatten", sagte Touraine.

Das gespendete Blut soll untersucht werden; falls sich aus den Ergebnissen keine Risiken ergeben, könnten die auf Homosexuelle angewandten Regeln 2017 laut der Ministerin den allgemeinen Regeln für die Blutspende "angenähert" werden. Die Fragebögen für Blutspender sollen überarbeitet werden und künftig mit Blick auf riskante Sexpraktiken oder Prostitution allgemeingültig und ohne Diskriminierung formuliert sein.

Die Organisation SOS Homophobie begrüßte das Ende des "systematischen Ausschlusses" von Schwulen und bisexuellen Männern von der Blutspende. Zugleich zeigte sie sich aber enttäuscht, dass eine Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung aufrecht erhalten werde.

"Die Sicherheit der Empfänger von Spenderblut muss absolut gewährleistet sein", forderte die französische Gesundheitsministerin Touraine. Das seit 32 Jahren bestehende Blutspendeverbot in Frankreich war mit der weit überdurchschnittlichen Verbreitung des HI-Virus bei schwulen Männern begründet worden – und mit dem Zeitfenster von zehn Tagen, in dem eine Infektion noch nicht nachweisbar ist.

2009 bestätigte ein ministerieller Erlass unter Berufung auf die Sicherheit das Verbot für Homosexuelle. Die konservative Regierung unter Präsident Nicolas Sarkozy berief sich damals auf eine Statistik, derzufolge die Aids-Ansteckungsrate bei Schwulen 200 Mal höher als in der heterosexuellen Bevölkerung war.

Frankreich musste Verbot "modifizieren"

Gegen seinen Ausschluss von der Blutspende hatte ein Franzose vor einem Gericht in Straßburg geklagt. Im April 2015 entschied der Europäische Gerichtshof in Luxemburg aufgrund dieses Falls, dass das bisherige Spendeverbot für einzelne Personengruppen rechtens sei, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

Voraussetzung sei ein hohes Übertragungsrisiko für Infektionskrankheiten wie Aids, zudem greife das Verbot nur, wenn Alternativen ausgeschlossen werden könnten. Dazu zählen wirksame Testmethoden oder eine genaue Befragung der potenziellen Spender zu riskantem Sexualverhalten.

Der Europäische Gerichtshof hatte Frankreich jedoch aufgefordert, den strikten Ausschluss von homosexuellen Männern zu "modifizieren", da er unter Umständen nicht verhältnismäßig sei – in Relation zu der angestrebten Sicherheit bei Bluttransfusionen.

In Deutschland sind Schwule von der Blutspende ausgeschlossen – wie auch Heterosexuelle mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern oder Prostituierte. Grundlage ist die Beantwortung eines Fragebogens vor der Spende.

In den USA wurde diese strikte Regelung im Dezember 2014 gelockert: Schwule und bisexuelle Männer dürfen inzwischen unter bestimmten Voraussetzungen Blut spenden. Ein lebenslanges Blutspendeverbot wurde ersetzt durch ein Verbot für Männer, die in den vergangenen zwölf Monaten Sex mit anderen Männern hatten. Auch in Großbritannien gilt diese Frist.