Dieser Sketch machte Donald Trump ganz offensichtlich Spaß. Ort der Handlung war das Weiße Haus, der Zeitpunkt das Jahr 2018 und der großspurige Spitzenkandidat der republikanischen Partei durfte sich selbst spielen. Es sollte das Jahr zwei der Regierung Trump sein und sein Kabinett hatte nur Gutes zu berichten. Syrien war befriedet, der "Islamische Staat" besiegt, die arbeitslosen Rebellen hatten im Trump-Kasino in Damaskus Anstellung gefunden. China bettelte die USA um Kredite an und der mexikanische Präsident bedankte sich bei Präsident Trump für den Grenzzaun, der sich als blendende Idee herausgestellt hatte. Nur Trumps Frau Melania war unglücklich, weil ihr die Behausung zu eng war. Da war die Gattin des Immobilien-Tycoons Besseres gewohnt.

Die Szene war das Filetstück von Trumps Gastspiel bei der US-Comedy-Sendung Saturday Night Live – einer überaus beliebten Bühne für ambitionierte Politiker. Schon Gerald Ford nutzte in seinem Wahlkampf 1976 das Kabarettformat, um sich den Wählern von seiner witzigen Seite zu zeigen, John McCain, Barack Obama und Mike Huckabee taten es ihm 2008 gleich. Und erst vor wenigen Wochen war Hillary Clinton bei Saturday Night Live als Barkeeperin Val zu sehen, die einer frustrierten Hillary Clinton, gespielt von Kate McKinnon, einen Drink nach dem anderen einschenkt.

In der Regel können die Kandidaten mit einem solchen Auftritt nichts verkehrt machen. Man zeigt sich locker und humorvoll und demonstriert, dass man sich selbst nicht allzu verbissen ernst nimmt. Das kommt gut an. Und der Sender freut sich auch, weil hohe Quoten garantiert sind.

Mit Trump nahm das Netzwerk NBC allerdings ein Risiko auf sich. Der polternde Milliardär, der gerade in den Umfragen gegenüber dem Neurochirurgen Ben Carson an Boden verliert, bekam nicht nur eine Szene. Man machte ihn gleich zum Gastgeber und zum Mittelpunkt des Abends, nachdem er vor wenigen Wochen bereits NBC mit seinem Late-Night-Auftritt bei Jimmy Fallon einen Hit beschert hatte.

Proteste vor dem Studio: "Racism is not funny"

Die vorhersehbaren Proteste blieben nicht aus. Den gesamten Samstagabend über marschierten Demonstranten vor den Studios im New Yorker Rockefeller Center auf und ab und skandierten Parolen wie "Hey – Ho, Donald Trump has got to go." Seine rassistischen Bemerkungen gegenüber mexikanischen Einwanderern hätten ihn als Comedy-Star disqualifiziert, "Racism is not funny" war auf den Plakaten zu lesen.

Eine Protestgruppe lobte gar 5.000 Dollar für den Studiogast aus, der Trump während der Live-Sendung als "Rassisten" beschimpft. Ein Schachzug, den die findigen Drehbuchschreiber von Saturday Night Live gleich in die Sendung einarbeiteten. Noch während Trumps Eröffnungsmonolog rief der für seine Bernie-Sanders-Parodie hochgelobte Komiker Larry David "Rassist" in die Kulisse. Als Trump ihn entgeistert anstarrte, entschuldigte sich David damit, dass es ihm nur um das Geld gegangen sei. Dafür hatte der Über-Kapitalist Trump wiederum Verständnis.

Scharf angegangen wurde Trump indes nur einmal, als ein schwarzer Moderator angesichts des Titels von Trumps gerade erschienenem Buch Unbehagen äußerte. Wenn jemand sage, er wolle Amerika "wieder" groß machen, müsse er doch als Afro-Amerikaner bange fragen, welche Epoche damit gemeint sei.

Trump kommt mit harmlosen Sticheleien davon

Ansonsten kam Trump mit eher harmlosen Sticheleien davon. Da war der "besoffene Onkel", der als Stellvertreter der eher weniger reflektierten Wählerschaft Amerikas Trump anhimmelte und die beiden ebenfalls angetrunkenen Porno-Stars, die einen Trump-Werbespot aufführten. Über beide Karikaturen seiner Wählerbasis konnte Trump selbst herzhaft kichern.

Das alles war nur mäßig unterhaltsam. Ein wirklich glänzender Moment, der Trump wenigstens für ein paar Tage in die Youtube-Charts bringen könnte, war auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Das war etwa bei Bill Clintons Auftritt anders, als der zukünftige Präsident 1992 in der Arsenio Hall Show das Saxofon in die Hand nahm und sich der Wählerschaft von seiner coolen Seite zeigte.

Das bis heute legendäre Solo hat maßgeblich zu Clintons Wahlsieg beigetragen. Mehr noch, es hat die Auftritte bei Late-Night-Unterhaltungssendungen zum festen Bestandteil des Wahlkampfprogramms von US-Politikern gemacht.

So drängen sich nun schon seit Monaten die aktuellen Bewerber auf die Sofas der Nacht-Plauderer, um sich den Bürgern menschelnd näher zu bringen. Carly Fiorina und Bernie Sanders waren schon bei Seth Meyers, Chris Christie und Jeb Bush bei Jimmy Fallon – und Hillary Clinton war überall.

Trumps Gastgeber-Gig war unter diesen Anstrengungen sicher ein Coup und seinem natürlichen, wenn auch oft unfreiwilligen Unterhaltungswert geschuldet. Ob es ihn auch politisch weitergebracht hat, bleibt jedoch eher ungewiss. "Einschaltquote und Popularität sind nicht dasselbe", bemerkte etwa Mary McNamara in der Los Angeles Times. Kurz: Trump mag unterhaltsam sein. In Wählerstimmen lässt sich das jedoch nicht so einfach übersetzen.