Mehr Geld, mehr legale Einwanderung nach Europa, mehr Jobs: Afrikanische Staaten knüpfen ihre Zusammenarbeit mit Europa in der Flüchtlingskrise an Bedingungen. Zum Auftakt des zweittägigen Sondergipfels in der maltesischen Hauptstadt Valletta forderte die afrikanische Seite am Mittwoch mehr finanzielle Unterstützung von den Europäern. Das bisher Zugesagte sei nicht genug, sagte Nigers Präsident Mahamadou Issoufou.

Zudem soll sich die EU bei der Frage der Rückführung von Flüchtlingen durchgesetzt haben, berichtet Spiegel Online. Demnach wollten die afrikanischen Verhandlungsführer nur eine freiwillige Rücknahme ihrer Staatsbürger vertraglich festschreiben, die EU bestand jedoch auf einer festen Regelung.

Die Vertreter von etwa 60 Staaten wollen bis Donnerstagvormittag einen gemeinsamen Aktionsplan ausarbeiten. Bereits klar ist, dass dieser mit dem bereits beschlossenen Afrika-Hilfsfonds der EU-Kommission in Höhe von 1,8 Milliarden Euro finanziert werden soll. Darin sagen die Europäer zu, legale Einwanderung in die EU zu fördern und die afrikanischen Staaten mit Entwicklungshilfe zu unterstützen, damit diese die Armut bekämpfen können. Die Afrikaner sollen auch Unterstützung erhalten, um mehr abgelehnte Asylbewerber wieder aufzunehmen.

Die afrikanischen Vertreter allerdings misstrauen dem EU-Angebot. Einerseits ist es ihnen zu niedrig andererseits wollen sie nicht auf die Überweisungen ihrer im Ausland lebenden Bürger verzichten. Diese bringen eine Menge Geld nach Afrika, mehr als die Entwicklungshilfe der Industriestaaten, sagte Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn in Valletta. Bislang hat auch nur die Hälfte der EU-Staaten ihre Zusagen für den Afrika-Hilfsfond eingehalten, überwiesen wurden bisher keine 50 Millionen Euro.

Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker forderte die Mitgliedsstaaten auf, sich finanziell mehr zu beteiligen: "Die Afrikaner müssen uns helfen, den Flüchtlingsstrom nach Europa zu begrenzen, vielleicht zu beenden." Er betonte allerdings: "Wir sind nicht erpressbar, aber wir sind auf jeden Fall auf andere angewiesen, wie andere auch auf unsere Hilfe angewiesen sind."

Bei dem zweitägigen Treffen in Valletta sind neben den EU-Staats- und Regierungschefs Vertreter aus 35 afrikanischen Ländern zu Gast und beraten über Wege, um die Flüchtlingsbewegung von Afrika nach Europa zu verringern. Malta ist selbst immer wieder Anlaufpunkt für Flüchtlingsboote aus Nordafrika. Insgesamt kamen nach Daten der Internationalen Organisation für Migration dieses Jahr schon 800.000 Menschen übers Mittelmeer in die EU, die meisten allerdings nicht aus Nordafrika, sondern aus den Krisengebieten in Nahost.