Der frühere US-Präsident George Bush hat enge Vertraute seines Sohnes George W. Bush scharf kritisiert. In Interviews mit seinem Biographen zieht Bush Senior über den Vizepräsidenten seines Sohnes, Dick Cheney, sowie den damaligen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld her, wie die New York Times berichtet. Vor allem Cheney gilt auch als Bekannter von Bush Senior, er war in dessen Amtszeit von 1989 bis 1993 Verteidigungsminister.

Jetzt aber wirft Bush Senior Cheney vor, während der Amtszeit seines Sohnes von 2001 bis 2009 ein eigens Imperium aufgebaut und den Einfluss von Hardlinern durchgesetzt zu haben. Der Vizepräsident Cheney sei ein völlig anderer gewesen als der Verteidigungsminister Cheney, den er kennengelernt hatte, sagte Bush. Er nannte ihn "iron-ass" und warf Cheney zugleich vor, vor den Hardlinern eingeknickt zu sein, die bei jedem Anlass kämpfen wollten, die "Gewalt nutzen, um unsere Interessen im Nahen Osten durchzusetzen". Dazu gehörten auch dessen Ehefrau Lynne und Tochter Liz, die beide als streng konservativ gelten. 

Cheney zeigte sich "fasziniert" von den Ansichten George Bushs. Er wies den Vorwurf zurück, von seiner Familie beeinflusst worden zu sein. Dass er nach den Anschlägen vom 11. September ein anderer wurde, bestritt er nicht. Der Angriff sei schlimmer als der in Pearl Harbour gewesen, was rechtfertige, außergewöhnliche Maßnahmen zu ergreifen.

Bush Senior kritisiert Bush Junior

Härter als mit Cheney ging Bush Senior mit Rumsfeld ins Gericht. Dieser sei ein arroganter Typ und habe dem Präsidenten (George W. Bush) schlecht gedient. Er sei Rumsfeld nie so nah gewesen, wie oft behauptet werde, erzählte Bush seinem Biographen. Rumsfeld fehle es an Demut und es falle ihm schwer, sich in andere hineinzuversetzen. Dafür habe Rumsfeld seinen Preis bezahlt, als er 2006 wegen der sich verschlechternden Lage im Irak zurücktreten musste.

Bush Senior sieht aber auch seinen Sohn in der Verantwortung. Dieser hätte den Einfluss Cheneys stoppen müssen. "Das ist das Versäumnis des Präsidenten." Bush kritisiert zudem die Rhetorik seines Sohnes. Mit scharfen Worten käme man leicht in die Schlagzeilen, aber sie lösten keine diplomatischen Probleme. Die Entscheidung seines Sohnes allerdings, in den Irak einzumarschieren, hält Bush Senior nicht für falsch. 

Cheney und Rumsfeld gelten als treibende Kräfte im "Krieg gegen den Terror", der nach den Anschlägen vom 11. September ausgerufen wurde. Im Zuge dessen griffen die USA zuerst Afghanistan und später erneut den Irak an. Rumsfeld wird dafür verantwortlich gemacht, "erweiterte Verhörmethoden" in US-Gefangenenlagern im Irak und Guantanamo eingeführt zu haben, die von Kritikern als Folter gewertet werden.

George Bush war von 1989 bis 1993 der 41. Präsident der Vereinigten Staaten. Sein Sohn George W. Bush war von 2001 bis 2009 in diesem Amt. Jetzt will dessen Bruder Jeb Bush der 45. Präsident werden.