Wegen der steigenden Zahl an Flüchtlingen führt Schweden ab dem heutigen Donnerstag um 12 Uhr wieder Kontrollen an den Landesgrenzen durch. Die "Rekordzahl" eintreffender Flüchtlinge stelle eine "Gefahr für die öffentliche Ordnung" dar, teilte die Regierung am Abend in Stockholm mit. Die Regelung soll demnach zunächst bis zum 21. November gelten, sagte Innenminister Anders Ygeman. Betroffen seien die Zug- und Autotrassen auf der Öresundbrücke sowie die Fährverbindungen in Südschweden.

Der Stopp an der Grenze soll vor allem den Druck von der Migrationsbehörde nehmen. Seit September sind 80.000 Asylbewerber ins Land gereist. An den Grenzstationen herrschen zum Teil chaotische Zustände. Die Kontrollen sollen einen geordneteren Empfang ermöglichen. Zuvor hatten bereits andere EU-Staaten wieder Grenzkontrollen eingeführt. Schweden ist neben Deutschland eines der Hauptziele der Flüchtlinge, bis Ende des Jahres werden mehr als 190.000 Migranten in dem Land mit 9,7 Millionen Einwohnern erwartet.

"Wir haben eine Situation, wo die Menschen gezwungen sind, vor unseren Büros in Zelten zu schlafen", sagte Mikael Hvinlund von der schwedischen Migrationsbehörde. "Auf den Bahnhöfen und Fährterminals verschwinden jeden Tag Alleinreisende." Seine Behörde wolle sich jetzt darauf konzentrieren, Kinder ohne Begleitung und Familien herauszufiltern, damit diese möglichst schnell Schutz erhalten.

Schweden nimmt relativ gesehen von allen EU-Ländern die meisten Asylbewerber auf und hat zunehmend Schwierigkeiten mit der Unterbringung. Migrationsminister Morgan Johansson hatte vor einigen Tagen erklärt, Schweden könne Flüchtlingen keine Unterkunft mehr garantieren. Neuankömmlinge müssten nach Dänemark oder Deutschland zurückkehren oder sich selbst eine Unterkunft suchen. "Wir haben die Grenze des Machbaren erreicht", sagte der Minister. Wie auch Italien und Griechenland hat Schweden bei der EU-Kommission beantragt, dass andere EU-Länder Flüchtlinge von dort aufnehmen.

Die meisten Flüchtlinge erreichen Schweden über Deutschland, von wo es mehrere Fährverbindungen gibt. Deutschland hatte bereits im September Kontrollen an den Grenzen zu Österreich wieder eingeführt. Auch in Deutschland ist die Maßnahme zeitlich befristet, wurde aber bereits verlängert.

Innerhalb des Schengen-Raums sind Passkontrollen normalerweise nicht zulässig. Ausnahmen sind aber etwa bei Gefährdung der öffentlichen Sicherheit möglich. Nach den Schengen-Regeln muss ein Land bei der EU-Kommission die zeitweise Wiedereinführung von Grenzkontrollen anmelden. Dann bekommt es eine Beurteilung der Brüsseler Behörde, ob damit die Regeln des Schengen-Raums noch eingehalten werden. Maximal können die Grenzkontrollen zwei Monate anhalten.