Bei der Parlamentswahl in Kroatien ist die konservative Oppositionspartei HDZ stärkste Kraft geworden. Die staatliche Wahlkommission teilte mit, die Konservativen unter Führung des früheren Geheimdienstchefs Tomislav Karamarko hätten 59 der 151 Sitze gewonnen. Karamarko sagte, der Sieg bringe die Verantwortung mit sich, das Land zu führen, "das in einer schwierigen Situation ist".

Die regierenden Sozialdemokraten von Ministerpräsident Zoran Milanović errangen demnach 56 Sitze. Das bedeutet jedoch, dass beide Blöcke keine absolute Mehrheit gewonnen haben. Die Bildung einer neuen Regierung hängt nun von den kleinen Parteien ab, die ins Parlament gezogen sind. Entscheidend könnte die auf Platz drei liegende neue Partei Most (deutsch: Brücke) sein, die 19 Sitze errang.

An der Spitze der Partei Most steht Božo Petrov, der sich als erfolgreicher Problemlöser in der kleinen Adriastadt Metković einen Namen gemacht hat. Petrov macht Front gegen die beiden Großen SDP und HDZ, weil sie "reformunfähig" seien. Der Most-Chef sagte, seine Partei werde eine künftige Regierung nur dann unterstützen, wenn sie Reformen bei der Justiz und der öffentlichen Verwaltung vorantreibe und sich für bessere Geschäftsbedingungen im Land einsetze. "Für jede Reform werden wir eine Frist setzen und wenn diese nicht eingehalten wird, werden wir ein Misstrauensantrag stellen", sagte Petrov.

Mit der Wahl haben die Kroaten vor allem über die Flüchtlingspolitik ihres Landes entschieden. Kroatien ist eines der wichtigsten Transitländer auf der Balkanroute. Seit Mitte September sind mehr als 330.000 Menschen aus Syrien, dem Irak und anderen Ländern durch Kroatien gereist.

Die HDZ hatte deshalb die Flüchtlingskrise zum Wahlkampfthema gemacht und für einen schärferen Umgang mit den Flüchtlingen geworben. Spitzenvertreter der Partei deuteten an, sie würden die Ankunft der Asylsuchenden mit einem Zaun oder dem Einsatz des Militärs eindämmen. Dabei unterhielt Spitzenkandidat Karamarko Unterstützung von Ungarns Ministerpräsidenten Victor Orbán.

Kroatien, in dem erstmals seit dem EU-Beitritt vor zwei Jahren gewählt wurde, gehört zu den ärmsten Mitgliedsländern. Die Arbeitslosenquote liegt bei etwa 16 Prozent.