Nach dem tödlichen Angriff auf eine Klinik von Ärzte ohne Grenzen in Afghanistan hat das US-Militär mehrere Verantwortliche vom Dienst suspendiert. Das teilte der US-Kommandeur für Afghanistan, John Campbell, mit. Er nannte keine Namen, auch nicht die Zahl der Suspendierten. Er räumte aber schwere Fehler ein, die dem Luftschlag am 3. Oktober vorausgegangen waren. Der Angriff sei "eine direkte Folge menschlichen Versagens" gewesen.

Die Verantwortlichen würden Ermittlungen der Militärjustiz oder ziviler disziplinarischer Instanzen unterzogen. Nach Darstellung des Brigadegenerals Wilson Shoffner verstießen einige Angehörige des US-Militärs bei dem Luftangriff gegen die Einsatzregeln der Vereinigten Staaten. Einzelheiten nannte er nicht. Zuvor hatte die New York Times berichtet, dass der Angriff laut einer internen Untersuchung auf eine Serie von menschlichen und technischen Fehlern zurückzuführen sei. Das Ziel des Angriffs sei eigentlich ein von den radikalislamischen Taliban kontrolliertes Gelände gewesen.

Bei dem Luftangriff in der damals umkämpften Stadt Kundus waren 31 Menschen getötet worden. Das US-Militär räumte ein, für das Bombardement verantwortlich zu sein und sprach von einem Versehen. Die Besatzung des Kampfflugzeugs habe das Haus für ein von den Taliban übernommenes Verwaltungsgebäude gehalten, heißt es in einem Untersuchungsbericht.

Ärzte ohne Grenzen hatte nach dem Angriff von einem möglichen Kriegsverbrechen gesprochen. Es gab Spekulationen, dass die Klinik angegriffen wurde, weil dort Taliban-Kämpfer vermutet wurden. Die Hilfsorganisation sprach von einem Kriegsverbrechen und forderte eine internationale unabhängige Untersuchung. Campbell hatte den Luftangriff schon damals auf einen Fehler in der Kommandokette zurückgeführt.  

US-Präsident Barack Obama hatte sich bei der Hilfsorganisation für die Bombardierung ihres Krankenhauses entschuldigt. Zudem hatte Obama mit seinem afghanischen Kollegen Aschraf Ghani telefoniert und sich für eine "vollständige und transparente" Untersuchung der "versehentlichen" Bombardierung des Krankenhauses eingesetzt. Nach US-Angaben erfolgte der Angriff auf Anforderung der afghanischen Streitkräfte, die unter Beschuss von Taliban-Kämpfern gestanden hätten. Dabei seien "mehrere Zivilisten aus Versehen getroffen" worden.

Daraufhin waren drei Untersuchungen angelaufen: eine der US-Armee, eine der afghanischen Behörden und eine der Nato. Nach Angaben der Hilfsorganisation waren die afghanischen und die US-Streitkräfte über die GPS-Koordinaten des Krankenhauses informiert, das seit vier Jahren in Betrieb war. Es handelte sich um die einzige Klinik im Nordosten Afghanistans, die schwere Kriegsverletzungen behandeln konnte.

Die Vereinten Nationen hatten den Bombenangriff scharf kritisiert. Der Vorfall sei "absolut tragisch, unentschuldbar und vielleicht sogar kriminell", hatte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Seid al-Hussein, erklärt. MSF hat seine Mitarbeiter aus Kundus abgezogen. Das Krankenhaus ist nach Angaben der Organisation vollkommen zerstört.