Das belgische Krisenzentrum Ocam hat die höchste Terrorwarnstufe für Brüssel aufgehoben. Statt der Kategorie vier gilt nun die Kategorie drei. Die Bedrohung durch einen Anschlag gilt somit als "möglich und wahrscheinlich" und nicht als "ernstzunehmend und nahe bevorstehend".

Seit Samstag galt in Brüssel die höchste Terrorwarnstufe. Noch am Nachmittag war die Hälfte der U-Bahn-Stationen und viele Museen geschlossen, Konzerte wurden abgesagt. Einen für Montag in der Stadt geplanten Streik sagten die Gewerkschaften ab. Die Polizei habe das Sicherheitsrisiko als zu groß eingestuft, sagte Felipe Van Keirsbilck, Generalsekretär der Gewerkschaft CNE.

In der belgischen Kleinstadt Sambreville haben Sicherheitskräfte unterdessen nach Waffen und Sprengstoff gesucht. Die Razzia im Stadtteil Auvelais stehe im Zusammenhang mit der Warnung vor terroristischen Anschlägen, berichtete der Sender RTBF und berief sich auf die Staatsanwaltschaft. Offiziell wollten die Ermittler keine Details nennen. Die Zeitung La Libre berichtete, dass in der Wohnung zwei 25-jährige Männer gewohnt hätten.


Abaaoud und Abdeslam standen auf belgischer Radikalenliste

Zuvor war bekannt geworden, dass vier Hauptverdächtige der Anschläge von Paris auf einer Liste des staatlichen Krisenzentrums Ocam standen, auf der radikalisierte Bürger geführt wurden. Diese Liste sei im Juni übermittelt worden an die Bürgermeisterin und den Polizeichef der Brüsseler Gemeinde Molenbeek. Darauf sollen die Namen von Abdelhamid Abaaoud, Brahim und Abdeslam sowie Mohamad Abrini gestanden haben.

Abaaoud soll die Attentate, bei denen 130 Menschen starben und Hunderte verletzt wurden, maßgeblich geplant haben. Er wurde am 18. November während eines Polizeieinsatzes im Pariser Vorort Saint-Denis getötet. Brahim Adeslam hatte sich am 13. November bei einem der Paris-Attentate in die Luft gesprengt. Nach dessen Bruder Salah wird ebenso gefahndet wie nach Mohamed Abrini.

Molenbeeks Bürgermeisterin, Françoise Schepmans, sagte, dass sie unter anderem das Krisenzentrum Ocam um Informationen gebeten habe. Es sei aber nicht ihre Aufgabe, den Terrorismus zu bekämpfen. "Von den lokalen Behörden, von den Bürgermeistern zu verlangen, im Kampf gegen den Terrorismus in erster Reihe stehen zu können – ich denke, das ist nicht das richtige Maß."