Mehr als 20.000 Menschen demonstrierten nach Behördenangaben im Zentrum der Hauptstadt und skandierten Parolen wie "Ponta Rücktritt" oder "Mörder!" Die Brandkatastrophe in Bukarest mit mindestens 32 Toten steigerte ihre Unzufriedenheit mit der Regierung, die sie für korrupt halten. Sie forderten den Rücktritt von Regierungschef Victor Ponta und Innenminister Gabriel Oprea sowie die Bestrafung der Verantwortlichen.

Einige der Demonstranten trugen Nationalflaggen mit Löchern ­- ein Symbol für den Sturz von Diktator Nicolae Ceaușescu vor mehr als 25 Jahren. Ein Teilnehmer, Viorel Anastasoaie, sprach von einer "Geste der Solidarität" mit den Opfern der Brandkatastrophe ­- zugleich sei die Demonstration aber auch ein Protest gegen das "System, das eine Tragödie dieser Art" ermöglicht habe. Während der Demonstration gerieten einige Teilnehmer kurz mit der Polizei aneinander. Zeitgleich nahmen Hunderte Menschen am Begräbnis eines getöteten Retters teil.

Präsident kritisiert Inkompetenz der Behörden

Rumäniens Präsident Klaus Iohannis hatte nach dem Unglück die Inkompetenz der Behörden verurteilt und ein Ende der Korruption gefordert. Auf seiner Facebook-Seite zeigte sich der Präsident von der Demonstration beeindruckt. Die Demonstranten hätten recht, jemand müsse "die politische Verantwortung übernehmen". Der nächste Schritt liege bei den Politikern, schrieb er.

Vor allem Regierungschef Ponta steht stark unter Druck. Der 43-Jährige ist der erste rumänische Ministerpräsident, der sich während seiner Amtszeit vor Gericht verantworten muss. Ihm werden Fälschung, Steuerbetrug und Geldwäsche in seiner Zeit als Anwalt zwischen 2007 und 2011, sowie Vetternwirtschaft bei der Ausübung seines Amts als Ministerpräsident vorgeworfen. Ponta weist die Vorwürfe zurück und will trotz wiederholter Rücktrittsforderungen bis zum Ende seiner Amtszeit im November 2016 Regierungschef bleiben.

Club verstieß gegen Brandschutzauflagen

Bei dem Brand wurden fast 200 Besucher verletzt. Es liegen noch etwa 130 Menschen in Krankenhäusern, davon 90 mit schweren oder sogar lebensgefährlichen Verletzungen.

Die drei Eigentümer der Diskothek werden der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung verdächtigt und sind von der Staatsanwaltschaft befragt worden. Augenzeugen und Medien berichteten von zahlreichen offenkundigen Verstößen gegen Brandschutzauflagen. So gab es offenbar keinen Notausgang, zur Schallisolierung wurde brennbares Material verbaut.

Iohannis hatte am Montag zwei Männer posthum ausgezeichnet, die zahlreiche Menschen aus der Diskothek gerettet hatten. Claudiu Petre und Adrian Rugina waren mehrfach in die brennende Diskothek zurückgegangen, um eingeschlossene Menschen zu befreien. Schließlich kamen sie selbst in den Flammen ums Leben.