Der belgische Ministerpräsident Charles Michel hat die Gründung eines europäischen Geheimdienstes nach dem Vorbild der CIA in den USA gefordert. "Wir müssen schnell einen europäischen Geheimdienst schaffen, eine europäische CIA", sagte Michel dem Rundfunksender RTL. Angesichts der Gefahr, die von Dschihadisten ausgehe, müssten die Informationen über Verdächtige ausgetauscht und diejenigen mit feindseligen Absichten enttarnt werden.

"Wenn Geheimdienste in der Lage wären, Informationen lückenlos auszutauschen, würde es möglicherweise nie wieder einen Anschlag geben", sagte Michel. Einige der Attentäter von Paris seien in Belgien als terrorismusverdächtig registriert gewesen, darunter auch der flüchtige Verdächtige Salah Abdeslam, zitiert die belgische Zeitung Le Soir Michel. Doch die französischen Behörden hätten ihn bei einer Kontrolle in Roubaix nicht als Terrorverdächtigen identifiziert und ihn weiterfahren lassen. 

Michel räumte allerdings ein, für seinen Vorschlag bei anderen europäischen Regierungen keinen Rückhalt bekommen zu haben. Auch der französische Innenminister Bernard Cazeneuve habe sehr zögernd reagiert.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte nach den Anschlägen gesagt, Europa solle jetzt nicht seine Kräfte darauf konzentrieren, einen neuen europäischen Nachrichtendienst zu schaffen. De Maizière sagte, er könne sich "nicht vorstellen, dass wir bereit sind, dort unsere nationale Souveränität aufzugeben".

Der EU-Anti-Terror-Beauftragte Gilles de Kerchove setzt sich dafür ein, dass das Europäische Parlament bis zum Jahresende ein Abkommen über den Austausch von Fluggastdaten beschließt. Der Austausch dieser Daten sei ein zentrales Werkzeug zur Erhöhung der Sicherheit, sagte de Kerchove in Barcelona. Wenn das EU-Parlament das Abkommen verhindere, dann würden die Mitgliedsstaaten "das eben auf nationaler Ebene regeln und das teils schärfer als von der EU geplant", sagte de Kerchove dem Handelsblatt.

De Kerchove vertritt die Ansicht, der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden habe mit seinen NSA-Enthüllungen den Anti-Terror-Kampf erschwert. Wegen Snowdens Veröffentlichungen entwickelten US-Internetkonzerne inzwischen Verschlüsselungscodes, die nicht mehr geknackt werden könnten, sagte er. Nachrichtendienste hätten seither immer größere Schwierigkeiten, verschlüsselte Botschaften in WhatsApp oder bei Skype zu verstehen.

Bei sechs Anschlägen töteten Attentäter am 13. November in Paris 130 Menschen. Mehr als 350 Menschen wurden verletzt. Die Angreifer schossen auf Gäste von Bars und Restaurants und auf Besucher des Konzertsaals Bataclan. Mehrere Explosionen erschütterten auch die Umgebung des Stade de France, wo das Freundschaftsspiel Deutschland gegen Frankreich stattfand.