Terror in Paris: USA sollen Europa vor Terror-Planer gewarnt haben

Das US-Heimatschutzministerium soll die Europäer früh vor Abdelhamid Abaaoud gewarnt haben. Frankreich legt UN-Resolutionsentwurf vor. Das Live-Blog vom 19. November
Gedenken an die Terroropfer an der Place de la République in Paris © Jacky Naegelen/​Reuters
  • Dieses Live-Blog ist geschlossen. Alle Berichte, Analysen, Kommentare und Fotostrecken zu den Anschlägen in Paris finden Sie auf unserer Themenseite.
  • In Hannover sollten angeblich fünf Sprengsätze detonieren; einer der mutmaßlichen Täter besitze einen deutschen Pass, berichtet die Hannoversche Allgemeine Zeitung unter Berufung auf den französischen Geheimdienst.
  • Das US-Heimatschutzministerium soll die Europäer vor Abdelhamid Abaaoud, dem Planer der Pariser Anschläge, gewarnt haben.
  • Frankreich legt einen Entwurf für eine UN-Resolution gegen den "Islamischen Staat" vor.
  • Abdelhamid Abaaoud wurde bei einer Razzia in Saint-Denis getötet.
  • Abaaoud hielt sich mehrfach in Deutschland auf und war an mehreren Anschlägen und Attentatsversuchen in Europa beteiligt.
  • Die französische Nationalversammlung stimmt der Verlängerung des Ausnahmezustandes um drei Monate zu. Ministerpräsident Manuel Valls warnt in der Debatte davor, dass bei künftigen Anschlägen auch Chemiewaffen verwendet werden könnten.
  • Bei Razzien in Belgien nehmen Ermittler neun Personen fest, zwei sollen in direktem Zusammenhang mit den Anschlägen in Paris stehen.
  • Die französische Polizei sucht nach weiteren Verdächtigen, darunter den international zur Fahndung ausgeschriebenen Salah Abdeslam.
  • Bei den sechs Anschlägen am Freitag (eine Karte finden Sie hier) kamen 129 Menschen ums Leben, darunter zwei Deutsche. Mehr als 350 Menschen wurden verletzt, davon viele schwer. Sieben Attentäter starben.
  • Eine interaktive Chronologie der Angriffe haben wir hier im Blog.

  • 04:20 Uhr
    Frauke Steffens

    Eine Woche nach den Anschlägen von Paris beraten die EU-Staaten heute über Maßnahmen zur Terrorabwehr und besseren Schutz der EU-Außengrenzen. Beim Treffen der 28 Innen- und Justizminister in Brüssel geht es auch um die geplante Speicherung persönlicher Daten von Flugreisenden in Europa, strengere Auflagen für den Waffenschmuggel und Maßnahmen gegen die Terrorismusfinanzierung. Geplant ist, dass künftig auch EU-Bürger bei der Ein- und Ausreise in die EU systematisch kontrolliert werden.

  • 04:03 Uhr
    Frauke Steffens

    Laut dem Guardian hat Malaysia vor der Ankunft des US-Präsidenten Barack Obama Truppen zusammengezogen. Vor dem ASEAN-Gipfel der südostasiatischen Staaten, zu dem Obama anreist, gebe es eine erhöhte terroristische Gefährdungslage, begründete die Regierung den Schritt. Es gebe Hinweise auf Aktivitäten und ein Treffen von Chefs der Abu-Sayyaf-Rebellen, die dem "Islamischen Staat" nahe stehen. Außerdem ist von mehreren angeblich zu Selbstmordattentaten bereiten Kämpfern die Rede. Bestätigt sei aber keine konkrete Anschlagsplanung.

  • 02:47 Uhr
    Frauke Steffens

    Mindestens vier der Attentäter von Paris werden nach Angaben von US-Regierungsvertretern in einer Anti-Terror-Datenbank der amerikanischen Behörden geführt. Mindestens einer der Angreifer stehe zudem auf einer "No Fly List" und habe somit in den USA keine Flüge antreten dürfen. Die Betroffenen seien in die Datenbank aufgenommen worden, nachdem die europäischen Behörden den USA Geheimdienstinformationen zur Verfügung gestellt hätten. Die Regierungsvertreter sagten nicht, welche von den französischen Behörden öffentlich identifizierten Attentäter konkret in den USA erfasst wurden.

  • 02:30 Uhr
    Frauke Steffens

    Nach einer Bombendrohung eines Passagiers ist im britischen Manchester ein Flugzeug der Gesellschaft Easyjet evakuiert worden. Nach Polizeiangaben wurden zwei Männer festgenommen. Alle Passagiere wurden erneut einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen, bevor die Maschine mit mehrstündiger Verspätung ins marokkanische Marrakesch startete. Die Polizei wurde zu dem Flugzeug gerufen, weil ein Passagier behauptete, eine Bombe im Gepäck zu haben. Zwei Männer im Alter von 45 und 46 Jahren seien festgenommen worden. Ein Sprengsatz wurde nach Polizeiangaben allerdings nicht gefunden. Der Flughafenbetreiber nannte die Evakuierung eine Vorsichtsmaßnahme.

  • 01:55 Uhr
    Frauke Steffens

    Bei der während eines Polizeieinsatzes in dem Pariser Vorort Saint-Denis getöteten Frau handelt es sich offenbar um die Cousine des belgischen Islamisten Abdelhamid Abaaoud. Das verlautete  aus Ermittlerkreisen in Paris. Die 26-Jährige hatte am Mittwoch einen Sprengstoffgürtel gezündet, als Polizisten eine Wohnung in Saint-Denis stürmten. Bei dem Einsatz wurde auch Abaaoud getötet, der als Drahtzieher der Anschläge von Paris gilt. Am Donnerstag fand im Haus der Mutter der 26-Jährigen in der Stadt Aulnay-sous-Bois eine Razzia statt. Die gesamte Nachbarschaft sei abgesperrt worden, so ein Anwohner.

  • 01:52 Uhr
    Frauke Steffens

    Dem FBI zufolge besteht zur Zeit keine glaubhafte Terror-Bedrohung für die USA. FBI-Direktor James Comey sagte im US-Justizministerium, Ermittler seiner Behörde hätten keine Verbindungen zwischen den Pariser Angreifern und den Vereinigten Staaten gefunden.

    Ihm sei bewusst, dass die Terrorgruppe "Islamischer Staat" und ihre Unterstützer regelmäßig in Videos und Magazinen Propaganda betrieben und mit ihren Plänen und Möglichkeiten prahlten. Dies reiche jedoch nicht aus, um von einer wirklichen Bedrohung zu sprechen, so Comey. Dennoch beobachte das FBI die Aktivitäten von Dutzenden IS-Unterstützern in den USA genau.

  • 00:18 Uhr
    Frauke Steffens

    Die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) berichtet, dass mindestens einer der mutmaßlichen Täter, die den Bombenanschlag in Hannover planten, einen deutschen Pass gehabt habe. Es handele sich um den Anführer der angeblich fünfköpfigen Gruppe.

    Unter Berufung auf Angaben des französischen Geheimdienstes berichtet die Zeitung, die Gruppe habe insgesamt fünf Sprengstoffanschläge geplant. Demnach sollten drei Bomben ins Stadion gebracht werden und dort detonieren. Einen weiteren Sprengsatz wollten die Terroristen dem Bericht zufolge an einer Bushaltestelle platzieren.

    Sieben Stunden später hätte die einzige Frau aus der Gruppe einen Sprengsatz an einem nicht näher spezifizierten Bahnhof zünden sollen. Dabei sollte es sich den Angaben zufolge nicht um einen Selbstmordanschlag handeln. Die Frau sollte demnach mit einem Zug zu dem Bahnhof fahren, dort aussteigen, die Bombe deponieren und mit einem anderen Zug den Tatort wieder verlassen. Die Information sei etwa zwei Stunden vor Anpfiff am Dienstagabend bei den deutschen Behörden eingegangen. Eine halbe Stunde später wurde das Freundschaftsspiel gegen die Niederlande abgesagt.

  • 00:10 Uhr
    Frauke Steffens

    Das US-amerikanische Heimatschutzministerium (Department of Homeland Security) soll laut Medienberichten im Mai vor dem mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von Paris gewarnt haben. Ein achtseitiger Bericht der Behörde analysiere die Folgen aus einem im Januar im belgischen Verviers vereitelten Anschlag. Überschrift: „Künftige IS-Operationen im Westen könnten dem unterbundenen belgischen Plot ähneln“. Er sei in Zusammenarbeit mit dem FBI und dem nationalen Anti-Terror-Zentrum enstanden.


    Bild.de zitierte am Donnerstag aus dem Bericht. Zuvor hatten Fox, CNN und die Daily Mail darüber berichtet. Im Januar erschossen Sondereinsatzkräfte im belgischen Verviers zwei mutmaßliche Terroristen. Abaaoud, mutmaßlicher Drahtzieher der Pariser Anschläge, sei Kopf dieser Zelle gewesen, heißt es in dem Bericht. Er habe sie von Athen aus gesteuert und sich frei durch Europa bewegt. Der 28 Jahre alte Abaaoud war am Mittwoch bei einem Polizeieinsatz getötet worden.

  • 21:59 Uhr
    Steffi Hentschke

    Während in Europa weiterhin nach weiteren Beteiligten an den Terroranschlägen in Paris gesucht wird, berät die UN in New York über das weitere Vorgehen im Syrienkrieg. In einem Resolutionsentwurf fordert Frankreich die internationale Gemeinschaft auf,  "alle notwendigen Maßnahmen" im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) zu ergreifen. Die UN-Mitglieder sollten "ihre Anstrengungen zur Verhinderung und Vorbeugung von Terrorakten insbesondere des IS zu verdoppeln und miteinander zu koordinieren", heißt es in dem Papier.

  • 21:39 Uhr
    Steffi Hentschke

    Vor dem Treffen der EU-Innen-und Justizminister hat Frankreichs Premierminister Manuel Valls eine Verschärfung der EU-Grenzkontrollen gefordert. In dem Interview mit dem Fernsehsender France 2 appelliert Valls an die Nachbarstaaten, ihren Zuständigkeiten "angemessen" nachzukommen.

    Am Freitag treffen sich die Minister, um über die Folgen der Attentate zu beraten. Im Fokus steht dabei auch die Frage, wie gesuchte Terroristen schneller aufgegriffen werden können. Denn wie mittlerweile bekannt ist, reiste der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, zuletzt durch mehrere EU-Staaten - obwohl er bereits zuvor als einer der meist gesuchten Islamisten Europas galt.

    Die Forderung Valls passt zu einem Beschlussentwurfs des morgigen Treffens, dass der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Unter anderem sollen EU-Bürger künftig an den Außengrenzen des Schengen-Raums "systematisch" überprüft werden, zitiert die SZ aus dem Papier.

  • 19:36 Uhr
    Michael Stürzenhofecker

    Die Anschläge von Paris haben die Diskussion um verschlüsselte Kommunikation wieder angefacht. Die in Berlin ansässige Chat-App Telegram zum Beispiel war bei IS-Mitgliedern und Sympathisanten sehr beliebt. Politiker fordern nun Schritte gegen die Anbieter.

  • 18:53 Uhr
    Michael Stürzenhofecker

    Russland hat den dritten Tag in Folge Luftangriffe auf die Terrormiliz "Islamischer Staat" in Syrien geflogen. Die Langstreckenbomber seien von Russland aus gestartet und hätten russische Kampfflugzeuge unterstützt, die nahe der syrischen Stadt Latakia stationiert sind.

    Dabei wurden laut der Nachrichtenagentur Reuters Ölverarbeitungsanlagen getroffen, die der IS kontrolliert. In den Provinzen Aleppo und Idlib seien von den Kampfflugzeugen zwölf Marschflugkörper auf IS-Ziele abgefeuert worden. Nach einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Ria berieten heute Vertreter des russischen und französischen Militärs über ein gemeinsames Vorgehen gegen den IS.

  • 18:30 Uhr
    Michael Stürzenhofecker

    Wenn es eine Antwort auf den Terror von Paris gibt, dann die von Antoine Leiris. Er verlor seine Frau im Bataclan – und wendet sich nun an den "Islamischen Staat".

  • 17:54 Uhr
    Michael Stürzenhofecker

    Schweden verschärft seine Sicherheitsgesetze. "Schweden war auf diesem Gebiet wahrscheinlich naiv", sagte Ministerpräsident Stefan Löfven. Es sei für viele Schweden "schwer zu akzeptieren, dass in unserer offenen Gesellschaft Menschen leben, schwedische Staatsbürger, die mit Mördern" sympathisierten.

    Löfven kündigte mehrere rechtliche Neuerungen an. Geheimdienste und Justizbehörden sollen neue Befugnisse bekommen, um Gespräche zum Beispiel über Skype oder Viber abhören zu können. Über Trojaner sollen die Behörden auch in verschlüsselte Kommunikation eindringen können. Das Gesetzespaket sieht zudem die Einführung neuer Straftatbestände vor. Demnach soll es künftig schon strafbar sein, mit der Absicht eines Terroranschlags ins Ausland zu reisen oder ein Ausbildungslager zu besuchen. Schweden fordert zudem biometrische Passkontrollen an den Schengen-Außengrenzen.

  • 17:14 Uhr
    Michael Stürzenhofecker

    Mehrere französische Medien berichten von einer Razzia in Charleville nahe der belgischen Grenze. Es soll eine Explosion gegeben haben, zudem sei eine Person festgenommen worden.

  • 16:57 Uhr
    Michael Stürzenhofecker

    Die muslimische Gemeinde in Paris hat ihre für Freitag geplante Kundgebung gegen den Terror abgesagt. Die unerlässlichen Bedingungen für die Sicherheit der Veranstaltung seien nicht erfüllt, teilte die Große Moschee mit. Der Entscheidung seien Gespräche mit der Polizei vorausgegangen. Die Kundgebung zur Zeit des Freitagsgebets sollte unter dem Motto stehen "Wir alle sind Paris" und sich auch gegen eine Gleichsetzung von Islam und islamistischem Terrorismus wenden. An der Kundgebung wollte unter anderem die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo teilnehmen.

  • 16:45 Uhr
    Michael Stürzenhofecker

    Abdelhamid Abaaoud wurde bei der Razzia in Saint-Denis getötet.

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