Terror in Europa: Belgien nach Terrordrohung in Alarmbereitschaft

In Brüssel gilt nach der Warnung vor geplanten Attentaten die höchste Terrorwarnstufe. Viele Geschäfte, Gebäude und die Metro sind geschlossen. Das Liveblog vom Samstag
Belgische Soldaten und Polizisten patrouillieren im Stadtzentrum von Brüssel. © Youssef Boudlal/​Reuters
  • Belgien hat nach einer Terrorwarnung der vergangenen Nacht für seine Hauptstadt Brüssel die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Ein Großteil des öffentlichen Lebens ist zum Erliegen gekommen. Unser geschlossenes Liveblog fasst das Geschehen des Tages zusammen.
  • Der U-Bahn-Verkehr in Brüssel ist komplett eingestellt, die Bürger sollen Bahnhöfe, Flughäfen, Einkaufszentren meiden.
  • Der UN-Sicherheitsrat hat einstimmig eine Resolution verabschiedet, die alle Staaten auffordert, "alle nötigen Maßnahmen" im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zu ergreifen.
  • Bei den sechs Anschlägen vor einer Woche (eine Karte finden Sie hier) kamen 130 Menschen ums Leben, darunter ein 28-jähriger und ein 51-jähriger Deutscher. Mehr als 350 Menschen wurden verletzt. Sieben Attentäter starben.
  • In der Türkei wurden drei Verdächtige, darunter ein Belgier, festgenommen, die womöglich für den IS arbeiteten.
  • Belgiens Regierung hat eindeutige Hinweise auf die Gefahr eines möglichen Attentats mit "Waffen und Sprengstoff". Es liege eine Drohung vor, dass Attentäter "an verschiedenen Stellen" in Brüssel Anschläge verüben könnten.
  • Vier Tage nach dem Anti-Terror-Einsatz im Pariser Vorort Saint-Denis wurden sieben der acht festgenommenen Personen wieder freigelassen. Ein junger Mann bleibt weiter in Gewahrsam.
  • Nach neuesten Erkenntnissen sind mindestens zwei der Pariser Attentäter über Griechenland gereist.

  • 16:07 Uhr
    Nicole Sagener

    Die Bundesregierung sieht trotz der Terrorhinweise in Belgien keine Auswirkungen auf die Bedrohungslage in Deutschland. "Erkenntnisse, die eine Neubewertung der Lage oder zusätzliche Maßnahmen erfordern würden, die haben wir nicht", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bei der Eröffnung einer von seinem Ministerium initiierten Fotoausstellung in Dresden. Die Lage sei aber nach wie vor ernst.

  • 16:03 Uhr
    Nicole Sagener

    Welchen Einfluss haben die Pariser Attentate auf die Wirtschaft in Europa? EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici sieht keine Konjunkturabkühlung auf Frankreich und Europa zukommen. "Ich glaube nicht, dass sich das Wachstum abschwächt", sagte Moscovici dem französischen Radiosender Inter. Die wirtschaftliche Erholung sei im Gang. So sei es auch bei den Anschlägen von London oder Madrid gewesen. "In beiden Fällen gab es keine dauerhafte Auswirkung auf das Wachstum in diesen Ländern."

  • 15:10 Uhr
    Nicole Sagener

    In Frankreich nutzt der rechtsextreme Front National (FN) die Anschläge von Paris für heftige Kritik gegenüber der Regierung. Die Vorsitzende des FN, Marine Le Pen, griff Frankreichs Präsident François Hollande in einem Interview mit der französischen Zeitung Le Figaro scharf an. Hollande pflege eine "sehr gefährliche ideologische Verblendung", unter anderem hinsichtlich der "Notwendigkeit von soliden Grenzen und des großen Zustroms von Flüchtlingen, der von Terroristen infiltriert wird", sagte Le Pen.

  • 14:32 Uhr
    Nicole Sagener

    Das Auswärtige Amt warnt Reisende in die Region Brüssel. In einem aktuellen Hinweis empfiehlt es, größere Menschenansammlungen zu meiden. Dazu zählen Konzerte, Großveranstaltungen, Bahnhöfe, Flughäfen, öffentlichen Personennahverkehr und Einkaufszentren. Es sollte erhöhte Wachsamkeit gelten, Weisungen der belgischen Sicherheitskräfte sollten befolgt werden, empfiehlt die Behörde.

  • 14:23 Uhr
    Nicole Sagener

    In Brüssel und der Hauptstadtregion sind alle Fußballspiele für dieses Wochenende abgesagt worden. Der belgische Fußball-Verband KBVB teilt mit, dass dies das Provinzkomitee Brabant entschieden habe. Betroffen ist auch das Erstliga-Topspiel zwischen dem KSC Lokeren und dem RSC Anderlecht. Grund für die Absage sei, "dass die Sicherheit nicht garantiert werden kann", heißt es auf der Homepage des gastgebenden Vereins.

    Lokeren liegt in der Provinz Ostflandern und ist etwa 60 Kilometer von Brüssel entfernt. Die Partie zwischen Lokeren und Anderlecht wird von der belgischen Pro League generell als Risikospiel eingestuft. Deshalb wurden dafür immer zusätzliche Polizeikräfte aus Brüssel angefordert. Diesmal sei diese Unterstützung aufgrund der angespannten Lage in der belgischen Metropole aber nicht möglich.

  • 13:41 Uhr
    Nicole Sagener

    Die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen in Brüssel angesichts der terroristischen Bedrohung könnten laut Belgiens Innenminister auch am Sonntag aufrechterhalten werden, meldet die belgische Zeitung Le Soir.

  • 13:06 Uhr
    Nicole Sagener

    Nach den Anschlägen in Paris werden arabischstämmige Flugpassagiere in den USA immer häufiger Opfer von Diskriminierungen.

    So wurde zwei jungen Männern am Flughafen Midway in Chicago am Donnerstag der Zugang zu einer Maschine nach Philadelphia verwehrt, nur weil ein Mitreisender gehört hatte, wie sie sich auf Arabisch unterhalten hatten, berichtete der TV-Sender NBC. Die beiden palästinensischstämmigen Männer, Maher Khalil und Anas Ayyad, durften erst nach eingehender Befragung durch Sicherheitsleute und die Polizei an Bord einer Maschine der Gesellschaft Southwest. An Bord hätten ihn Mitreisende aufgefordert eine weiße Schachtel, die er bei sich trug, zu öffnen. Wie sich herausstellte, war diese mit Süßigkeiten gefüllt. "Da habe ich dann mein Baklava mit ihnen geteilt", sagte Khalil. Southwest erklärte zu dem Vorfall, der Flug sei mit wenigen Minuten Verspätung gestartet, da Crewmitglieder zunächst noch "Gespräche mit Kunden beenden musste, die während des Boardings an uns herangetreten" seien.

    Ebenfalls eine  Southwest-Maschine, dieses Mal mit Ziel Houston, mussten am Mittwoch sechs aus dem Nahen Osten stammende Männer verlassen. Sie hatten ihre Sitze tauschen wollen und damit für Aufruhr unter Mitreisenden gesorgt.

    Auch eine Maschine der Gesellschaft Spirit Airlines auf dem Weg nach Minneapolis zum Flughafen in Fort Lauderdale kehrte am Donnerstag zurück, weil ein Passagier gehört haben wollte, wie ein junger Mann die Absicht geäußert habe, das Flugzeug zu sprengen, berichtete die Zeitung Sun Sentinel aus einem Polizeibericht. Der betroffene US-Bürger Yaniv Abotbul wurde daraufhin am Flughafen nach Angaben seines Anwalts fünf Stunden lang befragt. Schließlich ließ die Polizei ihn gehen, weil es keinerlei Verdachtsmomente gab und es sich offenbar um eine Missverständnis gehandelt habe.

    An Bord eines anderen Spirit Airlines-Flugs wurden eine Frau und drei Männer in Chicago aus dem Flugzeug geholt, nachdem Zeugen verdächtige Handlungen der Crew gemeldet hatten, wie die Baltimore Sun berichtete. Laut Polizei habe sich dann jedoch herausgestellt, dass einer der vier arabischstämmigen Flugpassagiere lediglich eine Nachrichtensendung auf einem Smartphone angesehen habe.

  • 12:50 Uhr
    Nicole Sagener

    Vier Tage nach dem Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis nördlich von Paris sind sieben der acht festgenommenen Personen wieder frei. Weiter in Gewahrsam bleibt ein junger Mann, der den Terroristen die Wohnung zur Verfügung gestellt hatte, wie französische Medien unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichten. Seine Freundin sowie sechs Personen, die sich in dem gestürmten Gebäude oder in der Nähe aufgehalten hatten, wurden freigelassen.

    Die acht Verdächtigen waren am vergangenen Mittwoch während eines Polizeieinsatzes im Pariser Vorort Saint-Denis festgenommen worden. Französische Elitepolizisten hätten dabei nach Angaben der Ermittler möglicherweise einen neuen Anschlag verhindert. Laut Staatsanwalt François Molins wurde bei dem Einsatz ein terroristisches "Kommando" zerschlagen.

  • 11:25 Uhr
    Nicole Sagener

    Der belgische Regierungschef Charles Michel hat neue Angaben zu den Gründen der Terrorwarnung gemacht: Die Gefahr eines möglichen Anschlags mit "Waffen und Sprengstoff" habe zu der erhöhten Terrorwarnung für Brüssel geführt. Es gebe "ganz genaue Information über das Risiko eines Anschlags wie dem, der sich in Paris ereignet hatte".

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