Kremlchef Wladimir Putin hat mit weitreichenden Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei auf den Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs reagiert. Mit einem Ukas verbietet oder begrenzt der russische Präsident vorübergehend die Einfuhr bestimmter türkischer Waren, wie der Kreml am Samstagabend mitteilte. Zudem müssen türkische Unternehmen bestimmte, von der Regierung festgelegte Aktivitäten in der Russischen Föderation einstellen. Russische Reiseanbieter dürfen überdies keinen Urlaub in der Türkei mehr anbieten. Fluggesellschaften müssen auf Charterflüge zwischen Russland und der Türkei verzichten.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte zuvor sein Bedauern über den Abschuss des russischen Flugzeugs geäußert. Er sei traurig über den Zwischenfall, sagte Erdoğan. "Wir wünschten, es wäre nicht geschehen, aber es ist geschehen. Ich hoffe, dass sich etwas Ähnliches nicht noch einmal zuträgt." Der Außenminister des Landes, Mevlüt Çavuşoğlu, hatte davor bestätigt, dass seine Regierung Russland "unser Bedauern über den Vorfall übermittelt" habe.

Am Dienstag hatte das türkische Militär ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen und dies damit begründet, dass die Suchoi SU-24 den türkischen Luftraum überflogen habe. Der Pilot sei zehn Mal gewarnt worden. Russland hingegen versicherte, das Flugzeug sei nur über syrischem Terrain geflogen. Den Abschuss kritisierte Russlands Präsident Wladimir Putin scharf und sagte, die Türkei sei Russland in den Rücken gefallen. Es war das erste Mal in den vergangenen 50 Jahren, dass ein Nato-Mitgliedsstaat ein russisches Flugzeug abschoss.

Der Kreml verlangte eine Entschuldigung. Weil Erdoğan bisher eine Entschuldigung verweigerte, bereitete Moskau Wirtschaftssanktionen vor, die nun verkündet wurden. In einer ersten Strafmaßnahme wurde die Visumspflicht für Türken, die nach Russland einreisen wollen, zum 1. Januar wieder eingeführt.

Am Freitag hatte die russische Regierung die Bitte der Türkei abgelehnt, ein Treffen zwischen Erdoğan und Putin zu vereinbaren. "Wir sehen den Unwillen der Türkei, sich einfach für den Zwischenfall mit dem Flugzeug zu entschuldigen", sagte Putins Berater Juri Uschakow. Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow forderte, dass die türkische Regierung anerkennen müsse, dass der Vorfall absolut unzulässig gewesen sei, wenn sich die Beziehung zwischen den Staaten normalisieren solle. Er sagte eine geplante Türkeireise ab.

Der türkische Premier Ahmet Davutoğlu sagte, der Türkei liege nicht daran, den Konflikt mit Russland zuzuspitzen. "Russland ist unser Freund, unser Nachbar." In einem Interview mit dem Sender CNN hatte Erdoğan zuvor am Donnerstag gesagt, dass Putin das Angebot abgelehnt habe, telefonisch über den Abschuss zu sprechen.

In der Folge des Zwischenfalls hat die Türkei unterdessen ihren Staatsbürgern davon abgeraten, nach Russland zu reisen. Grund seien Schwierigkeiten, mit denen Türken derzeit in Russland konfrontiert seien, hieß es in einer Mitteilung des Außenministeriums.