Auf der Krim ist die Stromversorgung unterbrochen, nachdem mehrere Strommasten explodiert sind. Die Behörden auf der Halbinsel riefen den Notstand aus. "Die Krim ist komplett von der Stromversorgung abgetrennt", sagte Wiktor Plakida, Chef des lokalen Energieunternehmens Krymenergo. Krankenhäuser und andere wichtige Gebäude sowie Teile der Städte Simferopol, Jalta und Saki würden durch Generatoren mit Strom versorgt. Die Halbinsel war im Frühjahr 2014 von Russland annektiert worden, den Strom liefert weiterhin die Ukraine.

1,6 Millionen Menschen seien ohne Elektrizität. Ein russischer Senator sprach am Sonntag von einem "Terrorakt" und deutete an, ukrainische Nationalisten seien dafür verantwortlich.

Wie es zu der Explosion im ukrainischen Oblast Tscherson kam, war zunächst unklar. "Nahe Tschaplinka gab es eine Explosion. Die Masten wurden gesprengt",  schrieb der Chefredakteur des Krimtatarensenders ATR, Osman Paschajew. Dies bestätigte Ilja Kiwa, ein Mitarbeiter des ukrainischen Innenministeriums. Auf Facebook schrieb er: "Die Masten sind gerade gesprengt worden." Augenzeugen berichteten, dass an den zerstörten Masten ukrainische Flaggen angebracht worden seien.

Bereits am Freitag hatten unbekannte Angreifer die Stromleitungen zur Krim beschädigt. Eine Gruppe namens "Zivile Blockade der Krim" hinderte Mitarbeiter des Energieversorgers später daran, den Schaden zu beheben. Die Organisation, in der die Krimtataren eine wichtige Rolle spielen, erklärte jedoch, sie sei weder für den Angriff am Freitag noch am Samstag verantwortlich. Im September hatten Tataren Straßensperren auf den Strecken von der Ukraine auf die Krim errichtet, um auf das Schicksal der Krimtataren hinzuweisen.

Der Präsident der annektierten Halbinsel, Sergej Aksjonow, verfügte wegen der Notlage für Montag einen arbeitsfreien Tag. Nach Angaben des Energieministeriums in Kiew kann einer der beschädigten Strommasten binnen 24 Stunden repariert werden, sofern die Arbeiter ungehinderten Zugang erhalten. Der staatliche Energieversorger Ukrenergo erklärte, man hoffe, sämtliche Hochspannungsleitungen binnen vier Tagen instand setzen zu können.

Unweit der Explosionsstelle blockieren die Krimtataren seit September Lebensmittellieferungen auf die Krim. Sie werden von Freiwilligenbataillonen unterstützt. Sie wollen damit auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen, die sich seit der Annexion durch Russland häufen. Außerdem sollen so die Kosten der Annexion für Russland erhöht werden, Waren können nur per Flugzeug oder Schiff auf die Halbinsel gebracht werden. Von der ukrainischen Regierung verlangen die Krimtataren und ihre Unterstützer, Lebensmittel- und Stromlieferungen auf die Krim auszusetzen.