Ukrainische Nationalisten und Krimtataren haben die Reparatur gesprengter Stromleitungen zu der von Russland annektierten Krim verhindert. Gespräche über die Wiederherstellung der Trassen könnten erst dann beginnen, wenn auf der Halbinsel festgehaltene politische Gefangene freigelassen würden, sagte ein ranghoher Vertreter der Krimtataren, Mustafa Dschemilew.

Am Wochenende wurden vier Strommasten in der Region Cherson, die von der Regierung in Kiew kontrolliert wird, zerstört und damit die Stromversorgung der Krim unterbrochen. Die Blockierer bestreiten, für die Anschläge verantwortlich zu sein. Die Reparaturteams stünden bereit, sagte ein Vertreter des regionalen Energieversorgers Ukrenergo. Alles hänge von Verhandlungen der Blockierer mit den Behörden ab.

Auf der Krim leben rund zwei Millionen Menschen. Das russische Energieministerium teilte mit, eine Notversorgung sei eingerichtet. Russland hat in diesem Jahr damit begonnen, Unterseekabel auf die Krim zu verlegen. Bis 2020 soll der Strombedarf vollständig aus Russland gedeckt werden. Derzeit kommen 70 Prozent des Stroms aus der Ukraine.

Der moskautreuen Krim-Regierung zufolge waren am Montagmorgen etwa 1,6 Millionen Menschen ohne Strom. Wegen des Energiemangels rief die Regierung einen arbeitsfreien Tag aus. Eigene Stromquellen reichten den Behörden in der Hauptstadt Simferopol zufolge für eine einmonatige Minimalversorgung.

In größeren Städten würden weiterhin Strom und Wasser nach Uhrzeiten rationiert, hieß es weiter. Bei Außentemperaturen auf der Halbinsel von etwa 17 Grad plus bestehe keine große Gefahr durch abgeschaltete Heizungen. In den Geschäften der Schwarzmeerregion werde aber der Vorrat an Kerzen knapp.

Deutschland forderte die Ukraine auf, den Anschlag auf die Leitungen aufzuklären. Die Bundesregierung erwarte, dass die Stromversorgung wiederhergestellt werde und sich derartige Anschläge nicht wiederholten, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Der politische Konflikt dürfe nicht auf dem Rücken der Bewohner der Krim ausgetragen werden.

Jazenjuk stoppt Exporte auf die Krim

Nach dem Stromausfall wird die Krim auch von allen Warenlieferungen aus der Ukraine abgeschnitten. Vorübergehend werde es dorthin keinerlei Exporte mehr geben, sagte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk. Er habe sein Kabinett ferner angewiesen, die Grundlagen für einen dauerhaften Stopp zu schaffen. Vergangene Woche hatte Russland seinerseits angekündigt, ab 1. Januar alle Lebensmittelimporte aus der Ukraine zu verbieten.

Die Schwarzmeerhalbinsel Krim war nach einer international nicht anerkannten Volksabstimmung im März 2014 von Russland annektiert worden. Insbesondere die muslimischen Krimtataren wehren sich gegen den Anschluss. Sie fühlen sich von den russischen Behörden diskriminiert.