Der abgeschossene russische Kampfjet ist laut US-Regierungskreisen innerhalb des syrischen Luftraums getroffen worden. Die Maschine sei zwar kurzzeitig im türkischen Luftraum gewesen, dort aber nicht getroffen worden. Das sagte ein Vertreter der US-Regierung, der nicht namentlich genannt werden wollte. Diese Beurteilung basiere auf Wärmedaten des Jets.

Die Türkei hatte das Flugzeug am Dienstag abgeschossen. Nach Darstellung des Nato-Landes wurde der Pilot mehrfach gewarnt, ohne jedoch den Kurs zu ändern. Die Maschine habe türkischen Luftraum verletzt. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte indes, das Flugzeug sei über syrischem Gebiet abgeschossen worden. Die Türkei sei in keiner Form bedroht gewesen. Der Vorfall werde ernste Konsequenzen für die Beziehungen beider Staaten haben.

US-Präsident Barack Obama telefonierte unterdessen mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan, wie das US-Präsidialamt mitteilte. Die USA unterstützten zwar das Recht der Türkei, die Landesgrenze zu verteidigen. Es habe aber auch Einigkeit gegeben, dass die Lage nach dem Abschuss jetzt entschärft werden müsse und so etwas nicht wieder vorkommen dürfe.

Es war das erste Mal in den vergangenen 50 Jahren, dass ein russisches Flugzeug vom Militär eines Nato-Landes abgeschossen wurde.  Das russische Verteidigungsministerium bestellte wegen des Zwischenfalls den türkischen Militärattaché ein, ein großer russischer Reiseanbieter strich die Türkei aus dem Urlaubsangebot.

Die türkische Regierung betonte, man habe das Recht mit allen Mitteln gegen Grenzverletzungen vorzugehen. Der Nordatlantikrat der Nato traf sich in Brüssel zu einer Krisensitzung und stärkte Ankara den Rücken. Am Rande der Gespräche hieß es, der russische Jet sei zumindest kurzzeitig tatsächlich in türkischen Luftraum eingedrungen.  

Syrische Rebellen beschossen russischen Hubschrauber

Die Piloten des abgeschossenen Flugzeugs hatten sich zunächst per Schleudersitz aus der Maschine gerettet. Der russische Generalstab teilte jedoch mit, einer der Piloten sei durch Schüsse am Boden getötet worden. Gleichzeitig bestätigte der Generalstab, dass ein russischer Hubschrauber, der nach den beiden Soldaten gesucht hatte, von syrischen Rebellen beschossen wurde. Der Helikopter vom Typ Mi-8 sei gezwungen gewesen, auf neutralem Territorium zu landen. Ein Crewmitglied sei getötet, die übrigen seien gerettet worden.

Russland fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien, um die Truppen von Präsident Baschar al-Assad im Bürgerkrieg zu unterstützen. Moskau betont, dabei nur Terroristen anzugreifen. Die Nato wirft Russland dagegen vor, auch gemäßigte Rebellen ins Visier zu nehmen.