Frankreichs Premierminister Manuel Valls habe gefordert, umgehend die Einreise von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten in die EU zu stoppen. "Wir können nicht noch mehr Flüchtlinge in Europa aufnehmen – das ist nicht möglich." So meldeten am frühen Mittwochmorgen zahlreiche Medien, darunter hier auch ZEIT ONLINE. Quelle für diese Information war ein Bericht der Süddeutschen Zeitung.

Das Büro des französischen Premiers teilt hingegen mit, Valls habe folgenden Satz gesagt: "L'Europe doit dire qu'elle ne peut plus accueillir autant de migrants, ce n'est pas possible." Auf Deutsch übersetzt: Europa muss sagen, dass es nicht mehr so viele Migranten aufnehmen kann, das ist nicht möglich. Die Süddeutsche Zeitung bleibt hingegen bei ihrer Darstellung, das Zitat sei so gefallen.

Valls hatte am Dienstag einige ausländische Journalisten zum Gespräch geladen. Einige Medien veröffentlichten anschließend Auszüge, darunter die Süddeutsche mit dem oben zitierten Satz.

Den geforderten Aufnahmestopp griffen viele Medien auf, jetzt ist unklar, was er tatsächlich gesagt hat. Im Kern dreht sich die Frage um das kleine Wort autant: so viele. Ging es Valls also um weniger Flüchtlinge oder um einen kompletten Aufnahmestopp? Die Aussage der Süddeutschen steht gegen die der Presseabteilung des Premierministers.

Weiter sagte Valls, die Kontrolle von Europas Grenzen entscheide über das Schicksal der Europäischen Union und dass Flüchtlinge möglichst in den Nachbarländern Syriens in sogenannten Hotspots untergebracht werden sollten. Statt weiterhin Tausende von Migranten unkontrolliert nach Europa zu lassen, müsse Europa mit der Türkei, dem Libanon und Jordanien Lösungen finden. Damit wiederholte Valls die bekannte Position der französischen Regierung.

Kanzlerin Angela Merkel trifft den französischen Präsidenten François Hollande am heutigen Mittwoch in Paris.